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Die Europäische Union

by Waldemar
Freude schöner Götterfunken

Auch die EU hat eine Hymne, die Instrumentalfassung des Hauptthemas Ode an die Freude aus dem letzten Satz der neunten Sinfonie Ludwig van Beethovens.

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Der Europarat nahm am 19. Januar 1972 (Datumsdiagonale) die Melodie als eigene Hymne an und beauftragte den Dirigenten Herbert von Karajan (* 5. April 1908, QS 27 in Salzburg-Neustadt; † 16. Juli 1989 in Anif), mit dem Arrangement dreier Versionen. Die EU übernahm sie später als Europahymne.

Das Wappen von Anif ist wie folgt beschrieben: „Gespalten; vorne in Silber ein schwarzer Adler; hinten in Blau pfahlweise mit der Sehne einwärts gekehrt ein goldener Bogen.“

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Die Melodie war 1970 in "A Song of Joy" sehr erfolgreich verwendet. Die Erstveröffentlichung  erfolgte als Single am 13. Mai 1970 (Tag 133) bei Hispavox Records. Anlass für diese Neufassung war der 200. Geburtstags von Ludwig van Beethoven. Dazu arrangierte der argentinische Komponist und Orchesterleiter Waldo de los Ríos (* 7. September 1934, QS 33 in Buenos Aires, Argentinien; † 28. März 1977, QS 37) die Aufnahme mit Miguel Ríos Campaña (* 7. Juni 1944; QS 31) der den Text sangen. 1970 erhielt er für A Song of Joy den Goldenen Löwen von Radio Luxemburg.

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Ausgangsbasis ist aber das Gedicht von Friedrich Schiller, den wir schon durch das Lied von der Glocke kennen.

Ode an die Freude entstand im Sommer 1785 (QS 21) und im Löwecluster.
Das Gedicht besteht in der frühen Fassung aus 9 Strophen zu je 8 Versen (9*8 = 72/FSK-Echo), jeweils gefolgt von einem Refrain mit 4 Versen, der als „Chor.“ gekennzeichnet ist, und wurde in der Thalia so veröffentlicht.

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Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligthum.

Deine Zauber binden wieder,
was der Mode Schwerd getheilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.


Chor.
Seid umschlungen Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.


Wem der große Wurf gelungen,
eines Freundes Freund zu seyn;
wer ein holdes Weib errungen,
mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
weinend sich aus diesem Bund!


Chor.
Was den großen Ring bewohnet
huldige der Simpathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte tronet.


Freude trinken alle Wesen
an den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
folgen ihrer Rosenspur.
Küße gab sie uns und Reben,
einen Freund, geprüft im Tod.
Wollust ward dem Wurm gegeben,
und der Cherub steht vor Gott.


Chor.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
Such’ ihn überm Sternenzelt,
über Sternen muß er wohnen.


Freude heißt die starke Feder
in der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
in der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
die des Sehers Rohr nicht kennt!


Chor.
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
durch des Himmels prächtgen Plan,
Laufet Brüder eure Bahn,
freudig wie ein Held zum siegen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel
leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
sieht man ihre Fahnen wehn,

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In diesen wenigen Zeilen finden wir bereits vieles, was in den letzten Kapiteln als symbolisches Feld sichtbar wurde: das göttliche Wesen der Natur, den Bezug zu den Sternen, die Rose, die Brüste, das Feuer, der Ring, die Sonne, den Berg, den göttlichen Plan und die Heldenreise. Auch die Feder erscheint als treibende Macht, und mit ihr die Verbindung zu Flügel, Geist, Schrift und dem geflügelten Löwen.

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In der Ode an die Freude koppelt das Informationsnetz über Schiller in die reale Welt. Das Gedicht bleibt nicht bloße Dichtung, sondern wird zur kulturellen Übertragungsform: erst als Text, dann als Musik, dann als Beethovens Chorfinale, später als Europahymne.

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Schiller sendet das Skript am 29. November 1785 (QS 34, Tag 333) zum Druck. Damit liegt bereits der Übergang vom inneren Text zum öffentlichen Feld auf einem starken Marker.

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​Auch andere Komponisten griffen den Stoff auf.

Es existieren Vertonungen der folgenden Komponisten:

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Franz Peter Schubert (* 31. Jänner 1797, Geburtstag meiner Mutter; Himmelpfortgrund; † 19. November 1828, QS 31 in Wieden) komponierte noch vor Beethoven ein Musikstück daraus.

Himmelpfortgrund hat als Wappen das Lamm Christie mit dem Kreuz. Da Wappen von Wieden zeit einen Weidenbaum.

Carl Friedrich Zelter (* 11. Dezember 1758 in Berlin; † 15. Mai 1832, QS 25, Datumsdiagonale) lieferte ebenso vor Beethoven eine Version ab. 

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  • Christian Gottfried Körner (* 2. Juli 1756 in Leipzig; † 13. Mai 1831, QS 22, Tag 133 in Berlin)

  • Christian Friedrich Daniel Schubart (* 24. März 1739 in Obersontheim; † 10. Oktober 1791, JKW in Stuttgart)

  • Johann Friedrich Reichardt (* 25. November 1752, Katharinatag, in Königsberg; † 27. Juni 1814)

  • Johann Friedrich Hugo von Dalberg (* 17. Mai 1760, Tag 138 Schaltjahr - BSK-Echo; † 26. Juli 1812, QS 27)

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Beethoven verdichtete dieses Feld schließlich zur weltgeschichtlichen Form.

Von Beethovens Autograph gelangten 137 Seiten (FSL-Echo) an die Alte Bibliothek in Berlin. 

Die Uraufführung des Stücks fand am 7. Mai 1824 (QS 27) in Wien statt.

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Damit wird die Ode an die Freude zu einem der stärksten europäischen Übertragungsfelder überhaupt. Ein Gedicht aus dem Sommer 1785 wird über Beethoven zur Musik, über Karajan zur Instrumentalfassung, über den Europarat zur Hymne und über die Europäische Union zum Symbol eines ganzen Kontinents.

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Das Lied ist weltweit beliebt und universell verständlich, weil es genau das ausdrückt, was Europa im besten Fall sein will: nicht bloß Verwaltung, Markt oder Vertrag, sondern ein kulturelles Versprechen von Freude, Brüderlichkeit, Freiheit, Würde und gemeinsamer Bahn.

Europas mythologischer Ursprung

Die Entführung der Europa, attisch-rotfiguriges Vasenbild auf einem Glockenkrater 
Die Entführung der Europa, attisch-rotfiguriges Vasenbild auf einem Glockenkrater (Abzeichnung), frühes 5. Jh. v. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Tarquinia (RC7456)
Kudurru_Melishipak_Louvre_Ishtar-star
Sternsymbol der Ištar von einem kudurru des Meli-Šipak
Hollywood Walk of Fame Von Owen Lloyd
Sternsymbol der Ištar von einem kudurru des Meli-Šipak

Europa ist eine weibliche Gestalt der griechischen Mythologie. Zeus verliebte sich in sie, entführte sie in Gestalt eines weißen Stiers nach Kreta und zeugte mit ihr drei Söhne:

Minos, Rhadamanthys und Sarpedon.

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In religionsgeschichtlichen Deutungen wird Europa außerdem mit der orientalischen Göttinnenwelt um Astarte und Ištar verbunden. Ištar war in Mesopotamien Göttin sexueller Liebe und zugleich des Krieges.

Die feministische Historikerin Annette Kuhn (22. Mai 1934; †27. November 2019, Tag 331) liest den durch die Ovid-Überlieferung patriarchal geprägten Europa-Mythos aus einer alternativen Perspektive, die eine frühe matriarchale Tradition einbezieht. Dabei verweist sie unter anderem auf den Schriftsteller und Mythographen Robert von Ranke-Graves (24. Juli 1895; †7. Dezember 1985, QS 33, Nahfeld 6.12./8.12.), der die griechischen Mythen ebenfalls vor dem Hintergrund eines angenommenen Übergangs von matriarchalen zu patriarchalen Gesellschaftsstrukturen interpretierte. Diese Matriarchatsdeutung ist eine Interpretation und kein unumstrittener historischer Forschungsstand.

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Ihr Symboltier ist der Löwe, der auch an der Prozessionsstraße zum Ischtar-Tor erscheint. Daneben wird sie in Hymnen auch mit einem Schakal verglichen. Ihr bekanntestes Zeichen ist der achtzackige Stern; zugleich wurde sie mit dem Morgen- und Abendstern Venus verbunden.

Damit vereinigt Ištar in einer Gestalt scheinbare Gegensätze: Liebe und Krieg, Begehren und Zerstörung. Der Name bietet darüber hinaus ein modernes Wortspiel: Ištar klingt für heutige Ohren fast wie englisch „I-Star“ – ohne dass daraus natürlich eine sprachgeschichtliche Ableitung folgt. (Englisch for Runaways! ) 

Eine moderne Popkultur-Variante dieses mesopotamischen Motivfeldes findet sich in Ghostbusters: Dort erscheint Gozer als fiktive, angeblich sumerische Gottheit. Historisch ist Gozer nicht belegt; für die AWT ist vielmehr interessant, wie alte mesopotamische Bild- und Göttermotive in moderner Popkultur erneut aufgegriffen und umgeformt werden.

Den Löwen als Symbol des Messias haben wir bereits besprochen, den Schakal hat man in dem Film "Das Omen" mit dem Antichristen verknüpft. Popkultur ist in der AWT nur ein Ausdruck eines unterbewussten Zugangs in das kollektive Unterbewusstseins.

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Bei John Perkins bezeichnet „Schakale“ jene geheim operierenden Akteure, die nach seiner Darstellung eingreifen, wenn die Methoden der sogenannten Economic Hit Men versagen. Sie sollen politische Umstürze, Destabilisierung oder im äußersten Fall die Beseitigung unliebsamer Staatschefs betreiben. Perkins beschreibt damit eine Eskalationsfolge von wirtschaftlichem Druck zu verdeckter Gewalt. Seine Darstellung ist umstritten und nicht in allen Punkten unabhängig belegt. Der Schakal (The Day of the Jackal) ist ein Roman von Frederick Forsyth, der erstmals 1971 veröffentlicht wurde. Auch hier wird der Attentäter als Schakal bezeichnet.

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Man erkennt damit weniger eine identische Ursprungsgeschichte als eine wiederkehrende Motivkette:

antike Göttin → Sternsymbol → Tiergestalt → moderne mythologische Neuinterpretation.

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Auch Star Trek greift für seine außerirdischen Kulturen auf vertraute historische Bilder zurück. Romulaner und Remaner verweisen schon mit ihren Namen auf Romulus und Remus und damit auf die römische Gründungsmythologie.

Der Autor Paul Schneider (* 4. August 1923, QS 27 ; † 13. Oktober 2008, JKW)  erschuf die Romulaner 1966 für die 14. Episode Star Trek "Balance of Terror". Bei dieser Folge führte Vincent Michael McEveety (* 10. August 1929 ; † 19. Mai 2018) die Regie. In Deutschland war sie zum ersten Mal am 12. Oktober 1987, JKW, in einer synchronisierten Fassung bei Sat.1 zu sehen, nachdem das ZDF sie bei der deutschen Erstausstrahlung der Serie in den Jahren 1972 bis 1974 übergangen hatte.

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Bei den Klingonen flossen dagegen Vorstellungen östlicher Kriegerreiche und der politischen Gegner des Kalten Krieges zusammen; bei ihrer frühen Konzeption wurde unter anderem auf Dschingis Khan und die Mongolen zurückgegriffen. Selbst die lautliche Nähe von „Klingonen“ und „Mongolen“ ist auffällig, auch wenn der Name historisch anders entstanden ist. Erst in der dritten Staffel erhielt das Klingonische Reich ein eigenes charakteristisches Raumschiff. Dabei spielte ausgerechnet die Modellbauindustrie eine entscheidende Rolle: Da für ein solches Modell innerhalb der Serie kein entsprechendes Budget vorhanden war, ermöglichte die Firma AMT dessen Realisierung im Gegenzug für die Vermarktungsrechte an einem Modellbausatz. Designer des legendären D7-Schlachtkreuzers war 

Walter Matthew Jefferies (* 12. August 1921, Datumsdiagonale der XI. Vermutung ; † 21. Juli 2003). AMT wurde 1948 von dem Anwalt West Heslet Gallogly Sr (* 18. Mai 1901, Tag 138, BmK-Echo ; † 8 Nov 1986), gegründet. Über die Zusammenarbeit von AMT mit Star Trek entstand damit eine weitere, zunächst völlig unerwartete Verbindung zwischen Automodellbau und der visuellen Mythologie der Serie.

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Eine geradezu direkte Umsetzung dieses Prinzips liefert Star Trek selbst in der Folge „Der Tempel des Apoll“ (Who Mourns for Adonais?). Darin stellt sich heraus, dass Apoll und die übrigen griechischen Götter außerirdische Wesen waren, deren frühere Besuche auf der Erde Eingang in die Mythologie fanden. Die antike Götterwelt wird damit nicht verworfen, sondern in ein modernes Science-Fiction-Erklärungsmodell übersetzt. Auffällig für die AWT: Die Episode trägt den Produktionscode 033, während Apollo-Darsteller

Michael Forest, * 17. April 1929, die Datumsquersumme 33 aufweist.

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Europas mythologischer Ursprung ist nicht nur die Geschichte eines weißen Stiers und einer entführten Königstochter. Er öffnet den Blick auf ein wesentlich älteres Motivfeld, in dem sich Ištar – die mesopotamische Göttin von Liebe und Krieg – mit Löwe und Stern, dem ebenfalls auftretenden Schakal-Motiv und der Verbindung scheinbarer Gegensätze findet. Ähnliche Bilder tauchen Jahrtausende später in neuen Zusammenhängen wieder auf: in Religion, Literatur und Popkultur, von Ghostbusters und Star Trek bis zum Schakal-Motiv bei Forsyth und Perkins. Eine direkte Überlieferungslinie muss dafür nicht angenommen werden. Das Neue wird damit nicht aus dem Nichts erschaffen, sondern an bekannte Bilder und Denkmuster gekoppelt, die Menschen bereits verstehen. Würde man die Geschichten von Star Trek in dreitausend Jahren lesen, könnten sie für eine spätere Kultur eine ähnliche Funktion erfüllen wie für uns heute Homers Ilias: ein überlieferter Erzählkosmos voller Helden, Feinde, Reisen, moralischer Konflikte und archetypischer Bilder. Die AWT beschreibt dies als ein wiederkehrendes Musterfeld: Alte Formen verschwinden nicht einfach, sondern können im kulturellen Gedächtnis und im kollektiven Unbewussten erhalten bleiben, neu kombiniert werden und in veränderter Gestalt wieder erscheinen.

Der Mensch wechselt das Medium – von der Tontafel über das Pergament bis zum Bildschirmpixel –, aber der archetypische Code bleibt konstant.

Sterne als Machtsymbole

Die Europaflagge ist nicht zufällig entstanden. Ihr Design durchlief einen langen Prozess der Verdichtung: von Ištars achtzackigem Stern über Marias zwölf Sterne in der Offenbarung des Johannes bis hin zur amtlichen Symbolik des Europarates.

Schon die RGB-Farbecode sind eindeutig.

Das tiefe Blau ist Blue (003399)

Das knallige Gelb ist Yellow (FFCC00)

Das Datum der ersten Beratung, überhaupt eine eigene Fahne anzuschaffen, war der 18. August 1950 in der KW 33. Am 8. Dezember 1955, Datumsdiagonale der XI. Vermutung, wurde der Entwurf vom Ministerkomitee ratifiziert; die formelle Resolution (55) 32 trägt das Datum 9. Dezember 1955.

„Der Stern als Herrschafts-, Himmels- und Göttersymbol ist wesentlich älter als Europa; bereits bei Ištar begegnete uns der achtzackige Stern. Eine direkte historische Ableitung der Europaflagge von Ištar ist damit nicht behauptet. Zu den wichtigen frühen Entwürfen gehörte die der Paneuropa-Union  von Graf Coudenhove-Kalergi (* 16. November 1894 in Tokio; † 27. Juli 1972), die eine goldene Sonne (Symbol für die Aufklärung) mit rotem Kreuz (Symbol für die Menschlichkeit) auf blauem Grund zeigt. Sie konnte jedoch gegen den Widerstand der Türkei, die jeden Entwurf mit einem Kreuz ablehnte, nicht durchgesetzt werden.

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Ein Entwurf von Duncan Sandys (* 24. Januar 1908, QS 25; † 26. November 1987, Tag 330), dem Schwiegersohn Winston Churchills, der ein grünes (ursprünglich rotes) „E“ auf weißem Grund zeigt. Die Flagge war erstmals 1949 bei einer europäischen Wirtschaftskonferenz in London gehisst worden und wurde zunehmend als europäisches Symbol verwendet und als offizielles Symbol wahrgenommen. Sie wurde abgelehnt, weil einem reinen Buchstabensymbol zu wenig emotionale Bindungskraft zugeschrieben wurde. Von Spöttern wurde sie als „Churchills Unterhosen“ bezeichnet.

Ein Entwurf eines aus Politikern und Heraldikern bestehenden Komitees, der in Anknüpfung an das Olympia-Symbol acht silberne, ineinander verschränkte Ringe zeigt. Er wurde mit einer Kette aus lauter Nullen und einer Telefonwählscheibe verglichen und ebenfalls verworfen.

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An dem Zustandekommen des jetzigen Designs sind zwei Männer beteiligt.

Arsène Heitz, geboren am 20. September 1908 in Huttenheim und gestorben am 30. August 1989in Épinal) war ein deutsch - französischer Zeichner, der beim Europarat arbeitete. Einigen Quellen zufolge war er zusammen mit Paul M. G. Lévy (* 27. November 1910, Tag 331 ; † 16 August 2002, KW 33) Mitgestalter der Europaflagge.

Heitz entwarf unter anderem einen Kreis aus zwölf gelben Sternen auf blauem Grund, inspiriert vom zwölfzackigen Heiligenschein der Jungfrau Maria, der Himmelskönigin der Offenbarung des Johannes, die häufig in der römisch-katholischen Kunst dargestellt wird und beispielsweise im Rosettenfenster zu sehen ist, das der Europarat 1956 dem Straßburger Münster schenkte.

Später erklärte er, er sei von der Wundertätigen Medaille und vom Lesen des Introitus inspiriert worden. Am Fest Mariä Himmelfahrt, dem 15. August geschah folgendes:

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„Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupt“.

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Dieser Introitus bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes, den letzten Teil des Neuen Testaments, wo von „ einer Frau, mit der Sonne bekleidet … und zwölf Sternen auf ihrem Haupt “ (Offb 12,1) die Rede ist. Heitz war ein frommer Katholik und Mitglied des Ordens der Wundertätigen Medaille, was seine Ansichten zur Symbolik der zwölf Sterne beeinflusst haben mag. Tatsächlich schlug er einen Entwurf mit „einer Krone aus zwölf goldenen Sternen mit fünf Strahlen vor, deren Spitzen sich nicht berühren“ 

Seine Flagge mit zwölf Sternen wurde schließlich vom Rat angenommen, und der Entwurf wurde von Paul MG Lévy finalisiert.

Laut Lévy war Heitz' Rolle bei der eigentlichen Gestaltung der Flagge eher geringfügig, und die Flagge mit zwölf Sternen war einer von mehreren Vorschlägen, die Heitz einreichte und die von Lévy modifiziert wurden. Daher beanspruchte Lévy die alleinige Urheberschaft der Flagge. Der 27. November ist dabei nicht nur Lévys Geburtstag. Am 27. November 1830 erlebte Catherine Labouré jene Marienerscheinung, die zur Bildgestalt der späteren Wundertätigen Medaille führte – ausgerechnet jener Medaille, auf die sich Heitz später bei der Erklärung seines Zwölf-Sterne-Motivs berief. Das mag eine Anekdote der Geschichte sein, aber im Rahmen des AWT-Kontexts ist das pures Gold. 

​Die Wirkkraft der Sterne auf Flaggen ist als die stärkste die es gibt, der Auswahlprozess zeigt dies deutlich auf. Der Stern erwies sich dabei als religiös und national wesentlich anschlussfähiger als das Kreuz. 

Auch die Popkultur greift diese Bildsprache auf: Das Emblem der Vereinigten Föderation der Planeten in Star Trek kombiniert ein Sternenfeld mit einem Lorbeerkranz. In der verbreiteten Flaggenversion treten drei größere Sterne besonders hervor.

Flag of Europe - Zodiac
Flag of Europe - Zodiac by Europarat
Astrolabiumsuhr in Ulm (Rathaus), nördliche Projektion, rechtsdrehend (Tierkreise spiegelverkehrt)  Von Joachim Köhler - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Astrolabiumsuhr in Ulm (Rathaus), nördliche Projektion, rechtsdrehend (Tierkreise spiegelverkehrt)  Von Joachim Köhler - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 

Aus Wikipedia:

In der amtlichen Erläuterung des Beschlusses des Ministerkomitees des Europarates vom 9. Dezember 1955 zur Annahme der Flagge heißt es zur Symbolik:

„Gegen den blauen Himmel der westlichen Welt stellen die Sterne die Völker Europas in einem Kreis, dem Zeichen der Einheit, dar. Die Zahl der Sterne ist unveränderlich auf zwölf festgesetzt, diese Zahl versinnbildlicht die Vollkommenheit und die Vollständigkeit … Wie die zwölf Zeichen des Tierkreises das gesamte Universum verkörpern, so stellen die zwölf goldenen Sterne alle Völker Europas dar, auch diejenigen, welche an dem Aufbau Europas in Einheit und Frieden noch nicht teilnehmen können.“

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Auf der Webseite des Europarates steht:

Die Zahl Zwölf ist unveränderlich, da diese Zahl als Symbol für Vollkommenheit und Einheit gilt (zum Beispiel die zwölf Apostel, die Söhne Jakobs, die legendären Taten des Herkules, die Monate des Jahres).

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Macht braucht Symbole

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Auf europäischer Ebene gibt es seit dem Zusammenbruch der großen Kaiserreiche nach dem Ersten Weltkrieg keine übergeordnete Kaiserfigur mehr. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs wurde auch die Vorstellung einer einzelnen politischen Führergestalt, die den Kontinent durch persönliche Autorität verkörpert, grundsätzlich diskreditiert. Monarchien existieren in Europa zwar weiterhin, doch ihre Herrscher besitzen heute überwiegend keine absolute politische Macht mehr.

Was jedoch geblieben ist, sind die Symbole der Herrschaft und Legitimation.

Macht funktionierte nie allein über Befehle, Gesetze oder Gewalt. Herrschaft musste auch als rechtmäßig, dauerhaft und möglichst als Bestandteil einer höheren Ordnung verstanden werden. Gerade im christlichen Europa wurde diese Legitimation über Jahrhunderte religiös aufgeladen. Könige und Kaiser herrschten „von Gottes Gnaden“ und wurden bei ihrer Krönung nicht lediglich politisch eingesetzt, sondern vielfach auch gesalbt.

Diese Salbung griff bewusst auf die biblische Tradition zurück. Bereits die Könige des Alten Testaments wurden durch Salbung ausgezeichnet; im Christentum erhält das Motiv noch eine zusätzliche Bedeutung durch Christus selbst: Das griechische Christós bedeutet wörtlich „der Gesalbte“. Die mittelalterliche Königssalbung stellte den Herrscher damit symbolisch in eine religiöse Traditionslinie. Er wurde nicht zu Christus, erhielt aber durch den sakralen Akt eine besondere Stellung: Seine Herrschaft sollte als von einer höheren Ordnung bestätigt erscheinen.

Krone, Salböl, Reichsapfel, Zepter, Kreuz, Adler, Löwe und Stern waren deshalb niemals bloß Schmuck. Sie vermittelten eine Botschaft: Dieser Mensch sitzt nicht zufällig auf diesem Thron. Auf seiner Herrschaft liegt ein Auftrag, eine Ordnung und – in der traditionellen Vorstellung – ein göttlicher Segen.

Der bekannte Wahlspruch „Gott mit uns“ bringt dieses Prinzip auf eine kurze Formel. Die eigene Macht sollte nicht lediglich durch militärische oder juristische Stärke legitimiert erscheinen; sie sollte den Eindruck vermitteln, dass die höhere Ordnung auf ihrer Seite stand.

Die moderne Demokratie hat diese sakrale Legitimation weitgehend durch Verfassung, Wahlen, Recht und institutionelle Verfahren ersetzt. Der Regierungschef wird nicht gesalbt, und ein Präsident herrscht nicht „von Gottes Gnaden“. Dennoch verzichtet auch die moderne politische Ordnung keineswegs auf symbolische Inszenierung. Fahnen werden feierlich gehisst, Hymnen gespielt, Amtseide abgelegt, Parlamente monumental gebaut und Institutionen mit Sternen, Kreisen, Adlern, Lorbeer, Säulen und anderen seit Jahrtausenden vertrauten Zeichen versehen.

Der entscheidende Wandel liegt deshalb weniger im Verschwinden der Symbolik als in ihrer Übertragung vom Herrscher auf die Institution.

Früher wurde der König gesalbt und gekrönt. Heute wird das Amt durch Verfassung, Zeremonie und Symbol aufgewertet. Aus dem sakralen Herrscher wird die säkulare Institution – die psychologische Funktion bleibt in Teilen vergleichbar: Die politische Ordnung soll größer erscheinen als die einzelne Person, die sie gerade verwaltet.

Auch die Europäische Union besteht deshalb nicht nur aus Verträgen, Richtlinien und Behörden. Sie besitzt eine Flagge mit zwölf goldenen Sternen, eine Hymne mit der „Ode an die Freude“, feierliche Zeremonien, repräsentative Gebäude und eine eigene politische Ikonografie. Diese Elemente machen aus einer abstrakten Verwaltungs- und Rechtsordnung etwas, das sichtbar, wiedererkennbar und emotional anschlussfähig wird.

Die Entscheider müssen heute nicht mehr als von Gott eingesetzte Herrscher erscheinen. Doch die Institution, die sie vertreten, soll dauerhafter sein als eine Regierung und bedeutender als der einzelne Bürokrat.

Die Personen wechseln – das Amt bleibt.
Die Herrschaftsform verändert sich – die Symbole überleben.
Die Salbung verschwindet – das Bedürfnis nach Legitimation bleibt.

Aus Sicht der AWT ist genau diese Kontinuität interessant: Der moderne Staat verwirft die alten Formen absoluter Herrschaft, übernimmt jedoch einen Teil ihrer symbolischen Werkzeuge. Nicht weil dahinter zwangsläufig dieselbe Absicht steht, sondern weil bestimmte Bilder über Jahrtausende gelernt wurden und deshalb weiterhin unmittelbar verstanden werden.

Der Kaiser verschwindet. Die Krone verschwindet. Der Stern bleibt.

Tierkreis Zodiac © Vito Technology, Inc.
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Die 12 Götter des Olymp
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Die 12 Götter des Olymps bilden eines der bekanntesten Zwölferfelder der europäischen Mythologie: Zeus, Hera, Poseidon, Demeter, Athena, Apollo, Artemis, Ares, Aphrodite, Hephaistos, Hermes und – je nach Überlieferung – Hestia oder Dionysos.

Auch die europäische Raumfahrt greift auf diesen Mythenschatz zurück. Die Ariane-Raketen der ESA tragen den französischen Namen der Ariadne. Sie war die Tochter von Minos und Pasiphaë und damit über ihre Mutter eine Enkelin des Sonnengottes Helios. Noch unmittelbarer war die Namenswahl bei der NASA: Das Apollo-Programm wurde nach Apollon benannt, dem griechischen Gott des Lichts.

Auch die zwölf Sterne Europas lassen sich in ein wesentlich älteres kulturelles Zwölferfeld einordnen. Die offizielle Deutung des Europarats nennt für die Zahl Zwölf Vollkommenheit und Vollständigkeit und verweist unter anderem auf Apostel, Söhne Jakobs, Taten des Herakles und Monate des Jahres. Eine darüber hinausgehende marianisch-apokalyptische Deutung ist nicht die offizielle Begründung, steht aber durch die spätere Aussage Arsène Heitz’ im historischen Umfeld der Flagge.

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In der inoffiziellen Deutung der 12 Sterne kommt natürlich die Apokalypse durch.

Zitat: 

„Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.“

– Offenbarung des Johannes 12,1"

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Wie man sieht, kommt auch moderne Politik kaum ohne überlieferte Symbole und Erzählmuster aus. Ein Geldschein besitzt seinen Wert nur, solange Menschen und Institutionen auf seine Gültigkeit vertrauen; Gesetze wirken dauerhaft nur dort, wo Legitimität und tatsächliche staatliche Durchsetzbarkeit zusammenkommen. Mythen, Symbole und gemeinsame Erzählungen sind damit keine Relikte der Vergangenheit – sie gehören weiterhin zu den Werkzeugen, mit denen Gesellschaften abstrakte Ordnung sichtbar und verständlich machen.

Europatag

Europa hat gleich zwei Feiertage:

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5. Mai – Europatag des Europarates

Dieser Europatag, der seit 1964 gefeiert wird, erinnert an die Gründung des Europarates durch die Unterzeichnung seiner Satzung am 5. Mai 1949 (QS 33) in London.

Aufbauend auf einer Idee von

Jean Monnet (* 9. November 1888, QS 36, Datumsdiagonale der XI. Vermutung ; † 16. März 1979, QS 36, Tag 75) schlug Frankreichs Außenminister Robert Schuman am

9. Mai 1950 in seiner Pariser Rede vor, eine Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl zu schaffen. Diese wurde als Schuman-Erklärung bekannt und mündete in die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), auch Montanunion genannt, die den Grundstein der heutigen Europäischen Union bilden sollte.

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8. Mai – Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa​

Da die deutsche Kapitulation am 7. Mai 1945 (QS 31) in Reims erstmals von Generaloberst Alfred Jodl  (* 10. Mai 1890) unterzeichnet worden war, und sich dieses Prozedere  auf Drängen Stalins, in Berlin Karlshorst vom 8. Mai bis 9. Mai 1945 (QS 33) durch Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel wiederholte, wird auch der 8. Mai als Feiertag immer wieder mal ins Spiel gebracht. Nach Moskauer Zeit war es bereits der 9. Mai – dessen Datumsquersumme 33 beträgt.

Zuletzt von Claudia Angela Gamon 

(* 23. Dezember 1988, QS 34 - Helmut Schmidt Geburtstag, Weihnachtsannäherung).

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Mit dem Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht vom 16. März 1935 führte das NS-Regime die allgemeine Wehrpflicht wieder ein und stellte den Aufbau der Wehrmacht auf eine neue gesetzliche Grundlage. Das koppelt an Monnet. Das Kontrollratsgesetz Nr. 34 war ein vom Alliierten Kontrollrat am

20. August 1946 (KW 34) verabschiedetes Gesetz für das besetzte Deutschland.

Das Gesetz regelte die Auflösung der Wehrmacht.

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In Deutschland ist der Europatag allerdings kein gesetzlicher Feiertag. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet Luxemburg, wo der 9. Mai seit 2019 tatsächlich arbeitsfrei ist.

Gründerväter

Der Erfolg hat viele Väter, Misserfolge sind meistens Waisenkinder. Europa hat viele Väter und ein Paar davon haben die richtigen Zahlen. 

Jean Monnet * 9. November 1888 war nie Regierungschef und wird als „Vater Europas“ bezeichnet.

Paul-Henri Charles Spaak † 31. Juli 1972 war Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (1949 bis 1951), erster Präsident der Gemeinsamen Versammlung der Montanunion (1952 bis 1954) und von 1957 bis 1961 war er Generalsekretär der NATO. 

Walter Peter Hallstein † 29. März 1982 (Tag 88) war von 1958 bis 1967 der erste Vorsitzende der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Alcide Degasperi † 19. August 1954 (KW-33) war von 1945 bis 1953 italienischer Ministerpräsident.

Sir Winston Leonard Spencer-Churchill * 30. November 1874 (Tag 334)

Der Europarat wird 2024 75 Jahre alt
75 Jahre Europarat. 

Silvio Berlusconi – Politik als Unterhaltung

Silvio Berlusconi, geboren am 29. September 1936 und damit innerhalb der Jom-Kippur-Welle, veränderte nicht nur die italienische Politik. Er veränderte die Art, wie Politik verkauft werden konnte.

Seine älteste Tochter passt ideal in unser Schema, 

Maria Elvira „Marina“ Berlusconi kam am 10. August 1966 auf die Welt. 

Am 8. Oktober 1985, innerhalb der Jom-Kippur-Welle, begannen Berlusconi und Veronica Lario nach seiner Scheidung von Carla Dall’Oglio offiziell zusammenzuleben. Die standesamtliche Hochzeit folgte am 15. Dezember 1990. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie bereits drei Kinder: Barbara (* 30.07.1984), Eleonora (* 07.05.1986) und Luigi (* 27.09.1988; QS 44).

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Sein Stil wurde so prägend, dass sich dafür ein eigener Begriff etablierte: Berlusconismus. In der politikwissenschaftlichen Forschung gilt seine Karriere als ein bedeutendes Beispiel für personalisierte und medialisierte populistische Politik. Berlusconi präsentierte sich als erfolgreicher Selfmademan, als Außenseiter gegenüber der etablierten politischen Klasse und als jemand, der Probleme mit gesundem Menschenverstand und unternehmerischer Tatkraft lösen könne.

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Dazu gehörte eine auffallend einfache politische Sprache. Komplexe politische Vorgänge wurden auf kurze Formeln, Wiederholungen, persönliche Geschichten und leicht verständliche Gegensätze reduziert. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen beschreiben ausdrücklich einen neuen und vereinfachten Kommunikationsstil Berlusconis. Für die AWT entspricht dies einer Ω5-Strategie: Nicht maximale Information entscheidet über die Wirkung einer Botschaft, sondern die Reduktion auf eine Form, die mit minimalem kognitivem Aufwand aufgenommen und wiederholt werden kann.

Berlusconi verfügte dabei über einen Vorteil, den gewöhnliche Politiker kaum besitzen: ein eigenes Medienimperium. Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben dieses Medienvermögen ausdrücklich als Ausgangspunkt seines politischen Aufstiegs und als strukturellen Sonderfall einer westlichen Demokratie.

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Hier erhält das oft als „Tittytainment“ bezeichnete Prinzip eine interessante politische Dimension. Unterhaltung schafft zunächst keine politische Überzeugung. Sie schafft jedoch Vertrautheit, Aufmerksamkeit und emotionale Bindung. Sexuelle Reize, Show, Prominenz und Fußball gehören zu besonders leicht zugänglichen emotionalen Inhalten. Hier ein Paar Beispiele dazu. Die Artikelnamen sind Programm:
"Titten an der Macht",

"Zwei große Talente",

"Busenblitzer im Sportfernsehen".

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Berlusconis Medienwelt bot reichlich davon. Die Erotik-Spielshow Colpo Grosso, ausgestrahlt ab 1987 auf Italia 7, wurde im Auftrag der Fininvest produziert. Das deutsche Tutti Frutti übernahm später dieses Format. Berlusconi war zugleich von 1986 bis 2017 Eigentümer des AC Milan und verband damit Medienmacht mit einem der emotional wirksamsten Bereiche der italienischen Massenkultur: dem Profifußball.

Aus AWT-Sicht entsteht damit eine einfache Kette:

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Unterhaltung → emotionale Vertrautheit → Wiederholung → Vertrauen → politische Übertragbarkeit.

​

Der Politiker muss nicht jeden Zuschauer von einem komplizierten Programm überzeugen. Er muss zunächst als bekannte, verständliche und emotional vertraute Figur erscheinen.

Dieses Prinzip endet nicht bei Berlusconi. Ronald Reagan kam aus Film und Fernsehen und moderierte jahrelang das General Electric Theater. Donald Trump wurde über The Apprentice Millionen Zuschauern als entscheidungsstarker Unternehmer inszeniert. Die politischen Inhalte und historischen Umstände dieser Personen unterscheiden sich erheblich; gemeinsam ist ihnen jedoch die Fähigkeit, eine bereits vorhandene mediale Persona in politisches Kapital umzuwandeln

Berlusconi ging noch weiter. Kritiker prägten für mehrere unter seinen Regierungen verabschiedete Regelungen den Ausdruck leggi ad personam – Gesetze, die Berlusconi selbst oder seinen Unternehmen zugutekämen. Besonders deutlich war das beim Immunitätsgesetz von 2008, das Strafverfahren gegen die höchsten Staatsämter einschließlich des Ministerpräsidenten aussetzte. Der italienische Verfassungsgerichtshof erklärte dieses Gesetz am 7. Oktober 2009, JKW-Cluster, für verfassungswidrig.

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Politisch hielt Berlusconi dennoch außergewöhnlich lange durch.

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Am 20. April 2005 trat er nach schweren Verlusten seiner Koalition bei den Regionalwahlen zurück, bildete jedoch bereits wenige Tage später eine neue Regierung.

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Am 8. Mai 2008 trat Berlusconi mit der Vereidigung seines vierten Kabinetts zum dritten Mal in 14 Jahren das Amt des italienischen Ministerpräsidenten an.

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Am 29. März 2009 – Tag 88 – wurde das Popolo della Libertà als Partei endgültig gegründet.

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Am 30. Juli 2010 vollzog Gianfranco Fini den Bruch. Besonders auffällig für die AWT: Die neue Fraktion Futuro e Libertà per l’Italia bestand im Abgeordnetenhaus aus exakt 33 Abgeordneten. Damit verlor Berlusconis Regierung ihre zuvor sichere parlamentarische Mehrheit.

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17. Mai 2011 (Tag 137, Fsk-Echo) - Berlusconi erleidet eine vernichtende Niederlage bei den Kommunalwahlen und verliert seine politische Hochburg Mailand sowie eine Reihe von Städten und Gemeinden in ganz Italien. Berlusconi selbst hatte das Votum zuvor zu einem Stimmungstest für seine Regierung erklärt, wodurch die Verluste als herbe politische Schwächung gewertet wurden. Er ist damit entzaubert und wird sich politisch davon nie mehr ganz erholen. Zuvor waren die Sexpartys, auch Bunga-Bunga Partys, zum Skandal angewachsen und Berlusconi soll minderjährige Mädchen für Sex bezahlt haben. Er wurde allerdings in allen Punkten der Anklage freigesprochen. Ob die Bevölkerung allerdings an seine Unschuld glaubte ist eine andere Sache.

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Am 29. September 2011 – erneut innerhalb der Jom-Kippur-Welle – veröffentlichte der Corriere della Sera den geheim gehaltenen Brief vom 5. August, in dem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und sein designierter Nachfolger Mario Draghi (* 3. September 1947, QS 33, Draghi heißt auf Deutsch Drache) von Italien weitreichende wirtschafts- und finanzpolitische Maßnahmen verlangten.

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Am 8. November 2011 verlor Berlusconi faktisch seine parlamentarische Mehrheit und erklärte sich zum Rücktritt bereit. Am 12. November reichte er ihn offiziell bei Staatspräsident Giorgio Napolitano ein.

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Am 1. August 2013 wurde er wegen Steuerbetrugs im Fall Mediaset erstmals letztinstanzlich zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Auf der Grundlage der Gerichtsentscheidung entzog die italienische Polizei Berlusconi am 3. August 2013 den Pass.

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Am 29. September 2013 (Jom-Kippur-Welle) boten alle Minister der PdL ihren Rücktritt von ihren Posten in der Koalitionsregierung Letta an, vorgeblich wegen Differenzen in Justiz- und Finanzfragen. Enrico Letta kam am 20. August 1966 auf die Welt.

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Am 4. Oktober 2013 (Jom-Kippur-Welle) stimmte der Immunitätsausschuss des Senats neuerlich über Berlusconi ab. Auch diesen zweiten Antrag, ihn im Senat zu belassen, lehnte der Immunitätsausschuss ab. Am 27. November 2013 (Tag 331) stimmte das Plenum des Senats über diesen Antrag ab und entzog Berlusconi sein Senatsmandat. Aufgrund seines Alters musste Berlusconi die Strafhaft nicht antreten.

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​Mit insgesamt 3339 Tagen ist er der Ministerpräsident mit der längsten Amtszeit in der Geschichte der Italienischen Republik, nur übertroffen von Benito Mussolini und Giovanni Giolitti in der Monarchie. 

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Wahlkampf kann man auf Emotionen, Wiederholung und einfache Botschaften reduzieren. Ein Staat lässt sich auf Dauer nicht auf dieselbe Weise regieren. Komplexität verschwindet nicht dadurch, dass politische Kommunikation sie ausblendet. Früher oder später kehrt sie als Realität zurück – in Haushalten, Schulden, Institutionen und gesellschaftlichen Konflikten.

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Neurologische Ebene – Aufmerksamkeit ist nicht gleich Denken

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Auch neurologisch unterscheiden sich leicht konsumierbare, emotional oder sexuell aufgeladene Unterhaltung und die Bearbeitung eines komplexen politischen Problems erheblich.

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FAKTEN (Neurowissenschaft):

Sexuelle Reize besitzen eine hohe biologische Salienz. Bildgebungsstudien zeigen bei erotischen visuellen Reizen unter anderem Aktivität im ventralen Striatum, insbesondere im Bereich des Nucleus accumbens, sowie im Hypothalamus. Das ventrale Striatum gehört zu den zentralen Systemen für Motivation, Belohnungsbewertung und „Wanting“ – also dafür, dass ein Reiz Aufmerksamkeit erhält und als erstrebenswert bewertet wird. Dabei existiert allerdings kein einzelnes „Sexzentrum“; sexuelle Reize werden durch ein verteiltes Netzwerk verarbeitet.

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Entscheidend ist:

Um einen attraktiven Körper, ein Fußballtor, einen Witz oder eine bekannte Fernsehfigur interessant zu finden, muss das Gehirn keine lange Argumentationskette im Arbeitsgedächtnis halten. Der Reiz kann unmittelbar bewertet werden.

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Ein komplexes Problem funktioniert anders.

Soll ein Mensch beispielsweise eine Rentenreform, einen Staatshaushalt oder die Folgen verschiedener Steuerregeln beurteilen, müssen gleichzeitig Informationen gespeichert, verglichen, aktualisiert, gegeneinander abgewogen und irrelevante Informationen unterdrückt werden. Dabei wird besonders ein frontoparietales Kontrollnetzwerk beansprucht, unter anderem Bereiche des dorsolateralen präfrontalen und parietalen Cortex. In Experimenten mit steigender Arbeitsgedächtnisbelastung nimmt mit wachsender Schwierigkeit auch die räumliche Ausdehnung der beteiligten Aktivierungsmuster zu.

Der Unterschied lässt sich sogar metabolisch nachweisen. Kombinierte PET-/fMRI-Messungen zeigen bei Aufgaben mit kognitiver Kontrolle einen Anstieg des Glukosestoffwechsels in den aufgabenrelevanten Aufmerksamkeits- und Kontrollnetzwerken. Das bedeutet allerdings nicht, dass schweres Nachdenken den gesamten Energieverbrauch des Gehirns explosionsartig erhöht. Der entscheidende Aufwand liegt vielmehr darin, bestimmte Netzwerke länger und koordinierter für ein Ziel einzusetzen.

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Vereinfacht ergeben sich damit zwei unterschiedliche Informationswege:

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emotionaler/reizstarker Inhalt
→ Aufmerksamkeit
→ Belohnungs- und Motivationsbewertung
→ schnelle emotionale Reaktion

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gegenüber

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komplexes Problem
→ Aufmerksamkeit aufrechterhalten
→ Informationen im Arbeitsgedächtnis speichern
→ Beziehungen herstellen
→ Widersprüche hemmen
→ Alternativen vergleichen
→ Schlussfolgerung bilden

 

Der zweite Weg verlangt wesentlich mehr kognitive Kontrolle und Arbeitsgedächtnisleistung. Er ist deshalb subjektiv anstrengender und leichter abzubrechen.
 

Thukydides beobachtete bereits vor über 2400 Jahren sinngemäß, dass Menschen häufig lieber eine zunächst plausible Erzählung übernehmen, als den mühsameren Weg eigener Prüfung zu gehen.

Auch sein Geschichtsverständnis passt hier: Nicht die Ereignisse selbst wiederholen sich identisch, wohl aber können unter ähnlichen Bedingungen ähnliche menschliche Muster wiederkehren.

Man kann es mit einem Film-Remake vergleichen: Technik, Kulissen, Sprache und Darsteller ändern sich – der zugrunde liegende Plot bleibt erkennbar. Romeo und Julia funktioniert deshalb in immer neuen Varianten, weil wir den strukturellen Kern schnell wiedererkennen.

Die Oberfläche verändert sich.
Das Muster passt sich an.
Und gerade deshalb erkennen wir es oft, bevor wir es bewusst analysiert haben.

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AWT-DEUTUNG:

Damit erhält die Ω5-Strategie eine neurologische Anschlussstelle. Eine politische Botschaft, die an bereits stark wirksame Reize gekoppelt und anschließend auf wenige wiederholbare Sätze reduziert wird, senkt die notwendige Verarbeitungstiefe.

Der Zuschauer muss kein komplexes Modell aufbauen. Er kann zunächst fühlen:

​

bekannt → angenehm → unterhaltsam → vertraut

 

und erst anschließend kann diese Vertrautheit auf die politische Person übertragen werden.

Das bedeutet nicht, dass sexuelle Unterhaltung Menschen automatisch politisch manipuliert oder dass das Belohnungssystem den Verstand „abschaltet“. Entscheidend ist vielmehr die Asymmetrie des Aufwandes:

​

Eine emotionale Botschaft kann in Sekunden wirken.
Eine komplexe politische Gegenprüfung kann Minuten, Stunden oder sogar Fachwissen benötigen.

​

Wer Kommunikation kontrolliert, besitzt damit einen strukturellen Vorteil. Er kann eine komplizierte Wirklichkeit in ein leicht konsumierbares Modell verwandeln, während derjenige, der dieses Modell widerlegen möchte, die verlorene Komplexität wieder herstellen muss.

​

Die Vereinfachung braucht einen Satz.
Die Widerlegung braucht manchmal eine Seite.

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Berlusconi und Trump – Politik nach dem Modell des Familienunternehmens

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Die Parallelen zwischen Silvio Berlusconi und Donald Trump beginnen bereits lange vor ihrer politischen Karriere.

Beide kamen aus der Welt des Bauens und der Immobilien. Berlusconi begann 1961 im Bausektor und gründete 1963 Edilnord; mit den Großprojekten Milano 2 und Milano 3 legte er einen wesentlichen Grundstein seines späteren Unternehmensimperiums. Donald Trump übernahm dagegen das Immobilienunternehmen seines Vaters Fred Trump und machte Hochhäuser, Hotels und andere Immobilienprojekte zum Zentrum seiner öffentlichen Unternehmerfigur.

Für die AWT ist bereits diese gemeinsame Herkunft interessant:

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bauen → Immobilien → Gebäude → Unternehmer

→ politischer Führungsanspruch

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Damit berührt die Biografie beider Männer auch das bereits beschriebene Architektendreieck und das Baumeistermotiv. Das ist zunächst eine AWT-Deutung; die biografische Gemeinsamkeit des Bau- und Immobiliengeschäfts ist dagegen unmittelbar belegt.

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Doch die wesentlichere Ähnlichkeit liegt möglicherweise im Führungsmodell.

​

Berlusconi baute mit Forza Italia eine Partei auf, die in der politikwissenschaftlichen Forschung geradezu als Musterbeispiel einer personalistischen Partei beschrieben wird:

Person, Unternehmen, Medienpräsenz und politische Organisation waren ungewöhnlich eng um den Gründer konzentriert. Untersuchungen sprechen von einer Organisation, deren Erfolg wesentlich auf Personalisierung, Professionalisierung und Zentralisierung beruhte.

​

Auch bei Trump ist die Person stärker als bei traditionellen Parteien zum politischen Bezugspunkt geworden. Politikwissenschaftliche Arbeiten beschreiben sowohl seine Anhängerschaft als stark personalistisch als auch seine zweite Präsidentschaft als eine Führung, bei der persönliche Loyalität eine außergewöhnlich große Rolle spielt.

Das von außen häufig patriarchenhaft wirkende Führungsmodell lässt sich daher präziser als personalistisch und familienunternehmerisch beschreiben:

Nicht die abstrakte Institution steht im Mittelpunkt, sondern der Chef.

Die Organisation wird ähnlich wie ein Unternehmen gedacht. Loyalität besitzt hohen Wert, Entscheidungen werden stark mit der Person an der Spitze verbunden, der Familienname wird zur Marke und politische Niederlagen oder juristische Angriffe können als Angriffe auf den gesamten Verband dargestellt werden.

​

So entsteht das Bild des erfolgreichen Familienoberhaupts:

​

Ich habe Unternehmen aufgebaut.
Ich habe Vermögen geschaffen.
Ich habe Krisen überstanden.
Also kann ich auch den Staat führen.

 

Der Unterschied zwischen einem Unternehmen und einem demokratischen Staat ist jedoch fundamental. Ein Unternehmer besitzt sein Unternehmen oder kontrolliert wesentliche Teile davon. Ein Staatsmann verwaltet dagegen Institutionen, die nicht ihm gehören und deren Regeln gerade dazu dienen, persönliche Macht zu begrenzen.

​

Genau an dieser Grenze werden Berlusconi und Trump besonders vergleichbar.

​

Auch ihre öffentliche Inszenierung von Männlichkeit, Erfolg und Sexualität weist Parallelen auf. Beide hatten Beziehungen zu deutlich jüngeren Frauen und machten aus Reichtum, Attraktivität und gesellschaftlichem Status einen Teil ihrer öffentlichen Persona. Bei Berlusconi wurde diese Seite mit den sogenannten Bunga-Bunga-Partys schließlich Gegenstand umfangreicher Ermittlungen. Im Ruby-Verfahren wurde er zunächst verurteilt, später jedoch rechtskräftig vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs und der Bezahlung einer Minderjährigen für Sex freigesprochen; das Gericht sah insbesondere nicht als erwiesen an, dass er ihr tatsächliches Alter kannte.

Auch bei Trump führten Vorgänge aus seinem Privatleben bis vor Gericht. Hier muss allerdings unterschieden werden: Der Strafprozess im Zusammenhang mit Stormy Daniels verurteilte Trump nicht wegen einer sexuellen Beziehung, sondern wegen 34 Fällen der Fälschung von Geschäftsunterlagen, mit denen eine Schweigegeldzahlung im Vorfeld der Wahl 2016 verschleiert worden war. Trump bestreitet die von Daniels behauptete sexuelle Begegnung. Im Januar 2025 erhielt er dafür eine unconditional discharge – die Verurteilung blieb bestehen, es wurden jedoch weder Haft noch Geldstrafe oder Bewährungsauflagen verhängt.

​

Davon getrennt steht das Verfahren von E. Jean Carroll. Eine Jury stellte zivilrechtlich fest, dass Trump Carroll sexuell missbraucht und später diffamiert hatte; der Supreme Court lehnte im Juni 2026 eine Überprüfung des 5-Millionen-Dollar-Urteils ab. Dieser Fall gehört allerdings nicht zum Motiv „deutlich jüngere Frauen“, denn Carroll ist älter als Trump.

Gerade deshalb sollte die Parallele nicht lauten:

„Beide kamen wegen jüngerer Frauen vor Gericht.“

Präziser ist:

Bei beiden kollidierte eine öffentlich inszenierte, stark sexualisierte Männerrolle schließlich mit Justiz, Medien und politischer Verantwortung – allerdings in sehr unterschiedlichen Verfahren.

​

Eine zweite Parallele betrifft den Umgang mit rechtlicher Kontrolle.

Bei Berlusconi wurde für mehrere während seiner Regierungszeiten verabschiedete Regelungen der Begriff „leggi ad personam“ geprägt, weil Kritiker darin Gesetze sahen, die ihm persönlich oder seinen Unternehmen Vorteile verschafften.

​

Bei Trump gibt es 2026 einen bemerkenswerten, aber anders gelagerten Vorgang: Nach seinem Rechtsstreit wegen der rechtswidrigen Weitergabe seiner Steuerdaten schloss das US-Justizministerium einen Vergleich, aufgrund dessen die IRS bereits eingereichte Steuererklärungen von Trump, seinen Söhnen und verbundenen Unternehmen künftig nicht mehr prüfen darf. Der Vergleich entstand aus dem Verfahren wegen des illegalen Datenlecks; Trump und die übrigen Kläger erhielten laut Justizministerium eine formelle Entschuldigung, aber keinen persönlichen Schadenersatz. Es handelt sich also nicht um eine von Trump geänderte Steuergesetzgebung, sondern um eine außergewöhnlich weitreichende Vergleichsvereinbarung.

Damit zeigt sich erneut ein Muster, das bereits bei Berlusconi sichtbar wurde:

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Unternehmer → Marke → Medienfigur → politischer Führer

→ starke Personalisierung

→ Konflikt zwischen persönlichem Interesse und institutioneller Begrenzung.

​

Der Unternehmer ist gewohnt, dass sein Name auf dem Gebäude steht.

Der Staatsmann muss dagegen akzeptieren, dass das Gebäude ihm nicht gehört.

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Ω5 – der mediale Patriarch als erlerntes Erfolgsmodell

​

Der politische Erfolg dieses Führungsbildes entsteht nicht erst im Wahlkampf. Seine kulturelle Vorbereitung reicht wesentlich weiter zurück.

Besonders die Fernsehserien der 1980er Jahre machten über Jahre hinweg einen bestimmten gesellschaftlichen Typus vertraut: den reichen, durchsetzungsfähigen Unternehmer und Familienpatriarchen, dessen wirtschaftlicher Erfolg, Familienleben und persönliche Autorität miteinander verschmolzen.

Serien wie Dallas oder Der Denver-Clan stellten große Unternehmen nicht als anonyme Organisationen dar, sondern als Verlängerung einer Familie und ihres Oberhauptes.

Bei Dallas stand die Familie Ewing mit ihrem Ölunternehmen im Mittelpunkt. J. R. Ewing war dabei keineswegs ein moralisch „gerechter“ Unternehmer – im Gegenteil, seine Skrupellosigkeit war ein wesentlicher Bestandteil der Figur. Trotzdem verkörperte er Macht, Durchsetzungsfähigkeit, Reichtum und die Fähigkeit, selbst schwierigste Konflikte immer wieder zu überstehen.

​

Im Denver-Clan wurde mit Blake Carrington eine ähnliche Grundfigur geschaffen: Großunternehmer, Familienoberhaupt, Entscheider und Mittelpunkt eines weit verzweigten Geflechts aus Unternehmen, Ehe, Kindern, Loyalität und Konflikten.

Die einzelnen Figuren unterschieden sich moralisch erheblich. Das zugrunde liegende Bild blieb jedoch leicht verständlich:

​

Ein Mann führt die Firma.
Ein Mann führt die Familie.
Ein Mann löst die Probleme.
Sein persönlicher Erfolg legitimiert seine Autorität.

​

Genau hier setzt die Ω5-Strategie an.

Komplexe gesellschaftliche Systeme werden auf ein bereits bekanntes und emotional verständliches Modell reduziert.

Ein Großunternehmen besteht tatsächlich aus Tausenden Mitarbeitern, Fachabteilungen, Verträgen, Aufsichtsgremien, Banken und gesetzlichen Rahmenbedingungen.

​

In der Erzählung genügt dagegen eine Person:

der Chef.

​

Eine Familie besteht aus unterschiedlichen Interessen und selbständigen Individuen.

In der Erzählung genügt:

der Patriarch.

​

Und schließlich besteht ein moderner Staat aus Parlament, Verwaltung, Gerichten, Zentralbank, Kommunen, internationalen Verträgen und Millionen voneinander unabhängigen Entscheidungen.

Die politische Ω5-Version lautet dagegen:

​

„Gebt mir die Verantwortung – ich kümmere mich darum.“

​

Damit wird ein hochkomplexes institutionelles System in ein vertrautes menschliches Beziehungsmuster übersetzt.

​

Die Macht der Wiederholung

 

Langzeitserien besitzen dabei eine besondere Wirkung. Eine Figur begegnet dem Zuschauer nicht einmal, sondern über Jahre hinweg immer wieder.

Der Zuschauer kennt ihre Stimme, ihre Familie, ihre Gegner, ihre Häuser, ihre Erfolge und ihre Niederlagen.

​

Dadurch entsteht Vertrautheit.

​

Das bedeutet nicht, dass Zuschauer automatisch die politischen oder moralischen Vorstellungen einer Fernsehfigur übernehmen. Aber ein bestimmtes Rollenmodell wird kulturell leicht abrufbar.

Wenn später ein realer Unternehmer auftritt und sagt:

​

„Ich bin erfolgreich. Ich habe ein Imperium aufgebaut. Ich weiß, wie man verhandelt. Ich löse Probleme. Deshalb kann ich auch das Land führen.“

 

muss dieses Bild nicht erst vollständig erklärt werden.

Der kulturelle Bauplan ist bereits vorhanden.

​

Von der Fernsehfigur zur politischen Persona

 

Hier werden die Parallelen zu Berlusconi und Trump besonders interessant.

Beide präsentierten sich nicht primär als klassische Berufspolitiker, sondern als erfolgreiche Unternehmer, die ihre außerhalb der Politik erworbene Kompetenz nun auf den Staat übertragen wollten.

Damit bedienen sie ein bereits bekanntes Erzählmuster:

​

→ Unternehmer
→ Familienoberhaupt
→ Krisenmanager
→ Beschützer
→ politischer Führer

​

Berlusconi brachte zusätzlich sein eigenes Fernsehimperium und den Profifußball mit.

Trump verfügte mit The Apprentice sogar über ein Fernsehformat, in dem seine öffentliche Rolle ausdrücklich auf einer immer wiederkehrenden Handlung beruhte:

​

Trump entscheidet.

​

Das komplizierte Funktionieren eines Unternehmens wurde auf eine einzige Person und einen einzigen finalen Entscheidungsmoment reduziert.

Für Ω5 ist genau diese Reduktion entscheidend.

​

Das Gehirn liebt bereits bekannte Modelle

 

Neue und komplexe Informationen verursachen hohen Verarbeitungsaufwand. Bereits bekannte Schemata können dagegen wesentlich schneller eingeordnet werden.

Der Zuschauer muss nicht jedes Detail eines politischen Programms verstehen, wenn die Person bereits in eine vertraute Rolle passt:

​

erfolgreich
stark
reich
entscheidungsfähig
Familienoberhaupt
„einer, der sich durchsetzt“

​

Dadurch entsteht eine Form kognitiver Abkürzung.

Nicht:

​

„Ich habe seine Wirtschafts-, Außen-, Sozial- und Finanzpolitik vollständig geprüft.“

​

sondern:

​

„Der Mann weiß offenbar, wie man etwas führt.“

​

Genau darin liegt eine zentrale Wirkung von Ω5:

Komplexität wird nicht widerlegt. Sie wird durch ein einfacheres, bereits bekanntes Modell ersetzt.

​

AWT-Deutung

​

Popkultur erzeugt solche politischen Führungsfiguren nicht zwangsläufig.

Sie stellt jedoch über Jahrzehnte kulturelle Schablonen bereit, in die reale Personen später nahezu nahtlos hineinpassen können.

Dallas oder der Denver-Clan haben Berlusconi und Trump nicht hervorgebracht.

Aber sie gehören zu einer Medienkultur, in der der erfolgreiche Unternehmer-Patriarch für Millionen Menschen zu einer unmittelbar verständlichen Figur wurde.

Aus Sicht der AWT ist das ein klassischer Ω5-Vorgang:

​

→ komplexes System
→ wiederkehrende Erzählung
→ vertraute Figur
→ emotionales Schema
→ reduzierte politische Botschaft

​

Der Staat wird zum Unternehmen.

Die Bevölkerung wird zur Familie.

Der Politiker wird zum Patriarchen.

​

Und aus komplizierter demokratischer Willensbildung wird die scheinbar einfache Frage:

​

„Wem traust du zu, den Laden zu führen?“

Ursula von der Leyen – Röschen, Welle und Zahlen

Ursula von der Leyen wurde am 8. Oktober 1958 in Brüssel geboren – mitten in der Jom-Kippur-Welle und im damaligen Zentrum der gerade entstehenden Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Ihr seit der Kindheit gebräuchlicher Spitzname lautet ausgerechnet „Röschen“.

Von ihrer bekannten Föhnwelle einmal abgesehen, liefert die Präsidentin der Europäischen Kommission noch eine Reihe weiterer auffälliger Marker.

Ihr Vater Ernst Carl Julius Albrecht war zu dieser Zeit bereits unmittelbar am Aufbau der europäischen Institutionen beteiligt. Von 1958 bis 1967 war er Kabinettschef des ersten EWG-Wettbewerbskommissars Hans Georg Max Joachim von der Groeben (*14.05.1907; †06.03.2005) und wurde anschließend Generaldirektor für Wettbewerb. Die Tochter wächst damit praktisch im institutionellen Umfeld des europäischen Projekts auf – und steht 61 Jahre später selbst an der Spitze der Europäischen Kommission.

 

Auch ihre Familienstruktur besitzt eine kleine Symmetrie: Ursula von der Leyen war das dritte von sieben Kindern ihrer Eltern und bekam später selbst sieben Kinder.

Der eigentliche politische Aufstieg beginnt mit einem besonders bekannten Marker.

Bei der niedersächsischen Landtagswahl am

2. Februar 2003 – Tag 33

wurde sie in den Landtag gewählt und unmittelbar anschließend Ministerin. Aus der Kommunalpolitikerin wurde damit innerhalb kurzer Zeit eine Landespolitikerin und später Bundesministerin. Ihre Karriereleiter ist damit fast senkrecht.

2019 folgte der Sprung an die Spitze Europas. Von der Leyen wurde 

     13. Präsidentin der Europäischen Kommission
→ 13.01.2020 – feierliches Gelöbnis der Kommission
→ 13.10.2020 – Erklärung zum Neuen Europäischen Bauhaus / JKW

Drei aufeinanderfolgende 13er-Marker an Amt, Institution und Leitprojekt.

 

Noch interessanter für den bereits bekannten Baumeister-/Architektur-Strang ist eine ihrer zentralen europäischen Initiativen. Von der Leyen initiierte das Neue Europäische Bauhaus, das Architektur, Gestaltung, Nachhaltigkeit, Wissenschaft und gesellschaftliche Transformation miteinander verbinden soll.

Eine ihrer grundlegenden Erklärungen zum Projekt erschien am

13. Oktober 2020 – innerhalb der Jom-Kippur-Welle und die 3. Dreizehn

Ausgerechnet unter einer Präsidentin mit mehreren 22-/33-Markern wird damit das Bauhaus zu einem politischen Leitprojekt der Europäischen Union.

​

Ein weiterer ungewöhnlich dichter Markerkomplex folgte am 29. Mai 2025. An diesem Tag erhielt Ursula von der Leyen in Aachen den Internationalen Karlspreis.

Die Verleihung fand im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt – unmittelbar am historischen Ort der ehemaligen Kaiserpfalz Karls des Großen.

Für die AWT ergibt sich:

Karlspreis
→ Aachen
→ Krönungssaal
→ 29.05.2025 = KW 22
→ QS 25

Damit treffen Karl, Krone, Architektur und die 22 als Baumeisterzahl innerhalb eines einzigen Ereignisses zusammen.

Und selbst ihre politische Krisenphase liefert noch eine ungewöhnliche Zahlenkombination.

Am 9. Oktober 2025, also mitten in der Jom-Kippur-Welle und nur einen Tag nach ihrem Geburtstag, musste sich die Kommission gleich zwei Misstrauensanträgen im Europäischen Parlament stellen.

Der erste Antrag, der von der Gruppe „Patrioten für Europa“ eingebracht wurde, wurde mit

179 Ja-Stimmen, 378 Nein-Stimmen und 37 Enthaltungen abgelehnt.

Der zweite Antrag, der von der Fraktion „Die Linke“ eingebracht wurde, wurde mit

133 Ja-Stimmen, 383 Nein-Stimmen und 78 Enthaltungen abgelehnt.

Gemäß der Geschäftsordnung des Parlaments kann ein Misstrauensantrag gegen die Kommission von einem Zehntel der Mitglieder des Parlaments, derzeit 72 Abgeordnete, an den Präsidenten gerichtet werden.  Ein Fsk-Echo.

​

AWT-DEUTUNG:
Interessant ist hier weniger ein einzelner Zahlenwert als die Verdichtung entlang tatsächlich biografisch bedeutsamer Übergänge: Geburt und Herkunft, Beginn der politischen Karriere, Machtübernahme, politisches Leitprojekt, Auszeichnung und politische Krise.

Die Marker liegen damit nicht irgendwo in ihrem Umfeld.

Die Marker liegen damit nicht irgendwo in ihrem Umfeld. Sie sitzen auffällig häufig an den Knotenpunkten ihrer Laufbahn – als würde eine Modelleisenbahn immer wieder durch dieselben Bahnhöfe fahren, obwohl sich Landschaft und Strecke verändern.

Dazu der Name „Röschen“ für eine der mächtigsten Frauen Europas. Joséphine de Beauharnais hätte vermutlich ihre Freude daran gehabt, was aus dem europäischen Rosengarten seit Malmaison geworden ist.

Die Symbolik ihrer Geburtsstadt Brüssel behandeln wir später separat.

​

Bei ihrer entscheidenden Bewerbungsrede vor dem Europäischen Parlament am 16. Juli 2019 sprach von der Leyen nacheinander Französisch, Deutsch und Englisch. Die offizielle Redeaufzeichnung der Europäischen Kommission umfasst zwei Teile von 16:45 und 16:55 Minuten – zusammen also 33 Minuten und 40 Sekunden.

 

733 Stimmen wurden abgegeben.
Davon waren:

383 Stimmen dafür,
327 dagegen,
22 Enthaltungen,
eine Stimme ungültig.

Damit wurde sie am 16. Juli 2019 zur ersten Frau an die Spitze der Europäischen Kommission gewählt.

Das Zahlenbild enthält damit gleichzeitig die 33 in 733 und die 22, die innerhalb der AWT bereits als Baumeisterzahl begegnet.

Am 27. November 2019 – Tag 331 – bestätigte das Europäische Parlament anschließend die gesamte neue Kommission mit 461 zu 157 Stimmen bei 89 Enthaltungen.

Am 1. Dezember 2019 – Tag 335 – trat die Kommission ihr Amt an. Von der Leyen steht seit diesem Tag an ihrer Spitze; 2024 wurde sie für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Ihre zweite Kommission begann erneut am 1. Dezember, diesmal 2024.

Auch außerhalb ihrer persönlichen Wahlbiografie tauchen innerhalb der von ihr geführten Europäischen Union weitere 33er-Konstruktionen auf.

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Bei den Beitrittsverhandlungen mit Montenegro wurden sämtliche 33 Verhandlungskapitel eröffnet. Mit Stand Juli 2026 sind davon bereits 18 vorläufig geschlossen. Montenegro ist damit derzeit der am weitesten fortgeschrittene Kandidat im laufenden EU-Erweiterungsprozess.

Im Juli 2023 beschloss die Europäische Kommission außerdem ein außergewöhnliches Unterstützungspaket für die Landwirtschaft:

330 Millionen Euro für 22 Mitgliedstaaten.

Und auch beim EU-Haushalt findet sich ein weiterer Treffer: Deutschland leistete 2021 mit rund 33,2 Milliarden Euro den höchsten nationalen Beitrag zum EU-Haushalt; Frankreich folgte mit 26,4 Milliarden Euro und Italien mit 18,1 Milliarden Euro.

Damit ergibt sich um Ursula von der Leyen und die von ihr geführte Kommission eine bemerkenswerte Markerfolge:

08.10.1958 → JKW
Röschen → Rose
3 Sprachen → 33:40 Minuten Redezeit
733 abgegebene Stimmen → 22 Enthaltungen
27.11.2019 → Tag 331
01.12.2019 → Tag 335
Montenegro → 33 Beitrittskapitel
Agrarpaket → 330 Mio. € für 22 Staaten
Deutschland 2021 → 33,2 Mrd. € EU-Beitrag

Einzelne Zahlen dieser Art sind zunächst nichts weiter als Zahlen. Für die AWT wird die Konstellation dort interessant, wo mehrere bereits bekannte Marker innerhalb desselben institutionellen und biografischen Feldes wiederholt gemeinsam auftreten.

Ursula von der Leyen Von Unión Europea en Perú from Lima, Perú 
Ursula von der Leyen Von Unión Europea en Perú from Lima, Perú 

Bürokratie-Check

2014 hat eine Kommission unter der Leitung von Edmund Stoiber nach 7 Jahren Arbeit

eine Einsparung von 33 Mrd. € durch Bürokratieabbau erreicht. Die EU-Kommission bezifferte die Entlastung auf rund 27 Prozent – bei ursprünglich angestrebten 25 Prozent. Vermutlich geht da noch mehr. Die Pressemeldung wurde am 14.10.2014, JKW, publiziert.

33. Mrd. € Einsparungen

Brüssels Eisenpunkt – wenn Verwaltung kristallisiert

Ältere Darstellungen nennen für die Europäische Kommission 33 Generaldirektionen. Durch Umstrukturierungen ist die heutige Organisationsstruktur mit dieser Zahl jedoch nicht mehr unmittelbar gleichzusetzen. In der Europäischen Kommission arbeiten rund 32.000 ständige und vertraglich Beschäftigte. Die Rechtsgrundlage für das Statut der EU-Beamten und die Beschäftigungsbedingungen der sonstigen Bediensteten findet sich ausgerechnet in Art. 336 AEUV.

Europäisches Parlament

Wie wir bereits im Kapitel Deutsche Geschichte gelernt haben gibt es eine Analogie zwischen dem Eisenpunkt in den Kernen von schweren Sonnen. In einem massereichen Stern ist mit dem Aufbau des Eisenkerns jener Punkt erreicht, an dem weitere Fusionsprozesse den Stern nicht mehr dauerhaft mit zusätzlicher Energie versorgen können. Der bisher tragende Mechanismus kann die bestehende Struktur schließlich nicht mehr stabilisieren.
In einem Staat oder einem Staatenbund wäre der Eisenpunkt dann erreicht, wenn die Verwaltung der Struktur aus der laufenden Periode gerade noch unterhalten werden kann. Die Netto-Steuerzahler und produktiven Anteile der Volkswirtschaft müssen analog ebensolche Verwaltungsapparate aufbauen, um die vielen Berichtspflichten und Vorschriften bewältigen zu können. Das schmälert den Gewinn und die Möglichkeiten neue Entwicklungen anzugehen. Man ist bereits froh, wenn es nicht noch aufwendiger wird. Dieser interne Apparat hat auch wenig Interesse an aufwendigen Innovationen und so kristallisiert das gesamte System immer mehr bis es zu einem soliden Block wird. 

Das passende Symbol dieses Zustands steht daher an seinem idealen Standort, das Atomium in Brüssel, der wichtigste, der drei großen EU-Amtssitze neben Luxemburg und Straßburg. Dazu kommt Frankfurt als Sitz der EZB - ein 3+1 Schema.​

Das Atomium wurde gebaut von André Waterkeyn (* 23. August 1917 in Wimbledon; † 4. Oktober 2005, JKW mit 88 Jahren) und den Brüdern

André (* 19. Januar 1914, Datumsdiagonale der XI. Vermutung, in Montreux ; † 2. April 1988 in Hoeilaart) und 

Jean Polak (* 13. Juni 1920, Nahfeld der Datumsdiagonalen der XI. Vermutung ; † 16. Februar 2012 in Uccle) 

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Das Bauwerk bildet eine kubisch-raumzentrierte Elementarzelle eines Eisenkristalls mit neun Atomen ab, ursprünglich etwa 165 Milliarden Mal vergrößert.

Es sollte ursprünglich 134 Meter hoch sein. Aus Gründen der Flugsicherheit wurde es aber nur mit 102 Metern Höhe gebaut. Die Konstruktion ist etwa 2500 Tonnen schwer.

Ein Dokumentarfilm über die Errichtung wurde exklusiv von 

Roger Hebbelinck geboren am 12. August 1912 auf der Datumsdiagonalen der XI. Vermutung in Brüssel und gestorben am 6. Juni 2014, dem D-Day und Ernest Salu III.

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Eröffnung war am 17. April 1958, Nahfeld der Datumsdiagonalen der XI. Vermutung.

Der Durchmesser der Kugeln beträgt 18 Meter, die verbindenden Rohre haben 3,3 Meter Durchmesser. Sowohl die drei Turm-Kugeln als auch die drei unteren Eck-Kugeln sind öffentlich zugänglich. Sie werden ebenfalls auf mehreren Etagen für Ausstellungen und andere Veranstaltungen genutzt. Im Turm befindet sich ein Aufzug, der die Besucher in 23 Sekunden zum Restaurant in der obersten Kugel bringt. Insgesamt wurden 180 Fenster verbaut.

​

Das große Wappen der Stadt Brüssel wird von zwei goldenen Löwen getragen. Im Zentrum steht auf rotem Grund der goldene Erzengel Michael, der mit einer kreuzförmigen Lanze einen schwarzen Dämon niederstößt. Hinter dem Schild kreuzen sich zwei Banner: eines zeigt den Brabanter Löwen, das andere erneut das Brüsseler Michael-Motiv. Michael ist einer der Schutzpatrone der Stadt. Seit 1455 steht seine vergoldete Figur auch auf der Spitze des Brüsseler Rathauses.

Die Darstellung greift das Motiv aus der Offenbarung auf: Michael kämpft gegen den Drachen, der dort als Teufel und Satan bezeichnet wird. Bemerkenswert ist auch sein Festtag: Michael wird am 29. September gefeiert – unmittelbar zu Beginn des JKW-Fensters.

Damit steht neben dem Eisenkristall des Atomiums ein zweites zentrales Symbol Brüssels: der Löwe und Michael im Kampf gegen den Drachen.

Persönliche Resonanz: Bemerkenswert ist für den Autor zudem die Namensspiegelung: Der Mädchenname seiner Mutter lautet Michaeli, sein Zwillingsbruder heißt Michael.

Löwen in Wappen

In den staatlichen bzw. nationalen Hoheitszeichen der folgenden 15 Länder findet sich mindestens ein heraldischer Löwe:

  1. Luxemburg

  2. Tschechien 

  3. Dänemark

  4. Schweden

  5. Norwegen

  6. Finnland

  7. Estland

  8. Niederlande

  9. Belgien

  10. Wales

  11. England

  12. Schottland

  13. Spanien

  14. Georgien

  15. Armenien

​

Auffällig ist dabei, dass der Löwe zur Entstehungszeit dieser Wappen in Nord-, West- und Mitteleuropa längst kein Bestandteil der heimischen Tierwelt mehr war. Zwar hatten während der Eiszeit Höhlenlöwen große Teile Europas besiedelt und in Südosteuropa sowie im Kaukasus überlebten Löwen wesentlich länger, doch für die meisten der genannten Länder lässt sich die heraldische Dominanz des Löwen nicht einfach aus ihrer damaligen Fauna erklären. Als naheliegende heimische Großraubtiere hätten sich Wolf oder Braunbär mindestens ebenso angeboten.

Trotz allem setzte sich ausgerechnet der Löwe über Länder, Dynastien und Jahrhunderte hinweg außerordentlich stark durch. Damit begegnet uns erneut jenes Motiv, das wir bereits als Analogie zum Cargo-Kult beschrieben haben: Ein einmal mit großer Bedeutung aufgeladenes Symbol wird übernommen, weitergegeben und immer wieder neu reproduziert. Wir begegnen dem Löwen am Prozessionsweg Babylons (Das berühmte Ischtar-Tor selbst trägt vor allem Stiere und Drachenwesen), in Jerusalem, in China, an der Sphinx neben den Pyramiden und schließlich in einer bemerkenswerten Vielzahl europäischer Wappen.

Wir können inzwischen auf eine extreme Häufung von Löwemarkern in den zurückliegenden Kapiteln zurückblicken. Zeitfenster, Symbolwelt und kulturelle Überlieferung greifen dabei auffällig ineinander. In der christlichen Symbolwelt kommt schließlich noch der „Löwe aus dem Stamm Juda“ als Christus- bzw. Messiasmotiv hinzu. Diese Löwenspur verbindet sich in Europa zusätzlich mit einem zweiten dominierenden Zeichen: dem Kreuz, etwa im Schweizer Hoheitszeichen und in den Kreuzflaggen der nordischen Länder. 
 

Zusätzlich begegnet uns immer wieder die Krone – Stephanos, ursprünglich Kranz und Ehrenzeichen. In der späteren Herrschafts- und Sakralsymbolik nähert sie sich zugleich dem Bild des Strahlenkranzes an: Der Herrscher wird sichtbar über die gewöhnliche menschliche Ebene erhoben. Gerade Könige und Kaiser, die ihre Herrschaft als „von Gottes Gnaden“ legitimierten, konnten dabei nicht in einem symbolischen Vakuum operieren. Sie griffen zwangsläufig auf bereits bekannte und kulturell aufgeladene Muster zurück – Krone, Löwe, Kreuz, Adler, Sonne und Heiligenschein.

Im Sinne unserer Cargo-Kult-Analogie werden erfolgreiche Symbole dadurch nicht ständig neu erfunden, sondern kopiert, gekoppelt und weiter verstärkt. Wer göttliche oder übergeordnete Legitimation beansprucht, versucht symbolisch möglichst nahe an die bereits etablierte Sphäre des Heiligen heranzurücken.

Wappen Luxemburg Von Katepanomegas, CC BY-SA 3.0
Wappen Luxemburg von Von Katepanomegas, CC BY-SA 3.0
Von Johannes Evert van Leeuwen (1855-1931) SVG is Eigenes Werk - based on Nederlands Rijkswapen van 1907
Niederlande Wappen
Johannes Evert van Leeuwen (1855-1931) Eigenes Werk
Staatswappen Dänemarks mit 3 gekröntem Löwen. Krone und 3x3 Herzen. CC BY-SA 3.0
Staatswappen Dänemarks mit 3 gekröntem Löwen. Krone und 3x3 Herzen.
CC BY-SA 3.0
Staatswappen Norwegens Emblazonment by Sverre Morken (1992), redrawn by Jonas Madsen Rogne (2023)
Staatswappen Norwegens mit gekröntem Löwen. Emblazonment by Sverre Morken (1992), redrawn by Jonas Madsen Rogne (2023)
Staatswappen  von Schottland Von Eigenes Werk, basierend auf: Royal Coat of Arms of the Kingdom of Scotland.svg von Sodacan, CC BY-SA 3.0
Heutiges Großes Staatswappen Schwedens by Sodacan - Eigenes Werk
Heutiges Großes Staatswappen Schwedens by
Sodacan - Eigenes Werk
​Großes Wappen des Königreichs Belgien ​Von Sodacan, Katepanomegas, CC BY-SA 3.0
Großes Wappen des Königreichs Belgien
Von Sodacan, Katepanomegas, CC BY-SA 3.0
Wappen Englands
Wappen Englands 
Von Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
​Staatswappen Finnlands mit gekröntem Löwen.
Staatswappen Finnlands mit gekröntem Löwen.
Staatswappen von Wales Von Sodacan - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Staatswappen von Wales
Von Sodacan - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Staatswappen von Schottland
Von Eigenes Werk, basierend auf: Royal Coat of Arms of the Kingdom of Scotland.svg von Sodacan, CC BY-SA 3.0

Nationalfeiertage

Jedes Land hat einen Feiertag im Jahr an dem der Gründung der Nation gedacht wird, oder einen anderen selbstgewählten, wichtigen Anlass.

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Luxemburg

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Luxemburg feiert diesen Tag nicht in so einem Zusammenhang, sondern bewusst an einem der sonnenreichsten Tage des Jahres am 23.6. Man beginnt aber schon am Abend des 22.6 und das ist direkt nach der Sommersonnenwende am 21.6. Man will eben einfach schönes Wetter haben.

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Schweden

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Am 6. Juni 1523, QS 23 wurde Gustav Vasa in Strängnäs zum König von Schweden gewählt, ein Ereignis, das das Ende der Kalmarer Union markierte und den Grundstein für den schwedischen Nationalstaat legte. Schweden feiert seinen Nationalfeiertag seit 1983 daher am 6. Juni. aka D-Day.

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Niederlande

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Hier wird der Feiertag am jeweiligen Monarchen orientiert, er heißt auch Koningsdag. Seit dem 30. April 2013 ist es Willem-Alexander (* 27. April 1967 in Utrecht als Willem-Alexander Claus George Ferdinand). Daher ist es jetzt der 27.4. bis wenn das ein Sonntag ist, dann der 26.4.

Während der Regentschaft seiner Mutter Beatrix (* 31. Januar 1938, wie meine Mutter ;-) war es der 30.4. der Gauß-Tag. Sie war vom 30. April 1980 bis zum 30. April 2013 im Amt, 33 Jahre lang. Sein Vater Claus van Amsberg starb am 6.10.2002, JKW.

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Schweiz

 

Der Schweizer Nationalfeiertag wird am 1. August begangen und erinnert an die Entstehung der Eidgenossenschaft bzw. den Bundesbrief von 1291. Seit 1994 ist er in der ganzen Schweiz arbeitsfrei.

Damit liegt der Nationalfeiertag mitten im Löwe-Zeitfenster – ausgerechnet in jenem Land, dessen staatliches Symbol vom weißen Kreuz auf rotem Grund dominiert wird.

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Spanien

​

Spanien feiert seinen Nationalfeiertag am 12. Oktober. Der Día de la Fiesta Nacional de España liegt damit unmittelbar im JKW-Fenster. Traditionell gehören dazu in Madrid staatliche Zeremonien und eine Militärparade in Anwesenheit des Königs.

Damit landet ein weiterer europäischer Nationalfeiertag direkt in unserem bereits mehrfach beobachteten Zeitfenster.

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Tschechien

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Tschechien besitzt gleich zwei interessante staatliche Feiertage. Am 28. Oktober wird an die Gründung des unabhängigen tschechoslowakischen Staates 1918 erinnert.

Noch interessanter für uns ist jedoch der 28. September: Der St.-Wenzels-Tag ist zugleich der offizielle Tag der tschechischen Staatlichkeit. Damit liegt ausgerechnet der Staatlichkeitstag genau am Beginn unseres JKW-Fensters.

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Ungarn

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Ungarn besitzt mehrere Nationalfeiertage, aber das Grundgesetz bestimmt ausdrücklich den 20. August zum offiziellen Staatsfeiertag. Er erinnert an die Staatsgründung und an deren Gründer, König Stephan I. den Heiligen.

Damit erhalten wir eine ungewöhnliche Kopplung: Stephan – Staatsgründer – Nationalfeiertag – 20. August – Löwe-Zeitfenster.

Der Name ist hier keineswegs nachträglich hineingelesen: Das ungarische Grundgesetz nennt ausdrücklich King Saint Stephen the State Founder als Anlass des Feiertags.

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Belgien

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Am 4. Oktober 1830, JKW erklärte Belgien die Unabhängigkeit vom Königreich der Vereinigten Niederlande. Der belgische Nationalfeiertag ist der 21. Juli. Er erinnert an den Tag im Jahr 1831, an dem Leopold I. als erster König der Belgier den Eid auf die Verfassung leistete. Gefeiert wird dies im ganzen Land, besonders groß mit Militärparade, Konzerten und Feuerwerk in Brüssel. Leopold war aus Oberfranken in Bayern.

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Dänemark

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Der Grundlovsdag (auf Deutsch Tag des Grundgesetzes) ist ein dänischer Gedenktag am 5. Juni. Es wird die Einführung der dänischen Verfassung (Junigrundloven) am 5. Juni 1849, QS 33 durch die Unterzeichnung von

König Frederik VII. (* 6. Oktober 1808, JKW ; † 15. November 1863, QS 27, Leopoldtag) gedacht. Es ist kein freier Feiertag sondern ein normaler Arbeitstag.

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England

 

Auch hier variiert das Datum mit dem Geburtstag des jeweiligen Monarchen.

Derzeit ist Charles III. * 14. November 1948 geboren als Charles Philip Arthur George.

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Schottland

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Jedes Jahr am 30. November (Tag 334) feiert Schottland seinen Nationalfeiertag: den St Andrews Day, zu Deutsch den Andreastag.

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Norwegen

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Der Verfassungstag in Norwegen ist der 17. Mai (Tag 137 im Normaljahr) und hat die Funktion eines Nationalfeiertages.

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Montenegro

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Montenegro hat am 13.7. seinen Nationalfeiertag. Der Nullpunkt der Datumsdiagonale der XI. Vermutung.

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Finnland

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Finnlands Unabhängigkeitstag ist der Nationalfeiertag Finnlands, der jedes Jahr am 6. Dezember, dem Nikolaustag begangen wird.

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Wales

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St David’s Day am 1. März ist ein Tag der Paraden, Konzerte und typisch walisischen Kulturfestivals, den traditionellen Eisteddfodau. An den Gebäuden weht die walisische Flagge und die Nationalhymne kommt vielen Walisern an diesem Tag besonders inbrünstig von den Lippen. Das liegt außerhalb der AWT-Maker und koppelt an keinen Omega-Wert, Namen oder Zahl.

Der €uro

Durch die Aussetzung der Dollar-Gold-Konvertibilität am 15. August 1971 begann der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems. In den folgenden Jahren wurden Wechselkurse erheblich instabiler und die Inflation stieg stark an. In Europa wuchs deshalb das Bestreben, die Wechselkurse untereinander zu stabilisieren und schließlich durch eine gemeinsame Währung ganz zu beseitigen.

Den Namen Euro schlug Germain Pirlot am 4. August 1995 dem Präsidenten der Europäischen Kommission Jacques Santer (* 18. Mai 1937, Tag 138, BmK-Echo) vor. Am 16. Dezember 1995 legte der Europäische Rat in Madrid den Namen der neuen Währung verbindlich fest.

Die Urheberschaft am Eurozeichen € beanspruchte der frühere EG-Chefgrafiker Arthur Eisenmenger (*20. Oktober 1914; †19. Februar 2002). Die Europäische Kommission nennt dagegen ein internes Designerteam. Unabhängig von dieser offenen Urheberfrage fügt sich ausgerechnet der Name Eisenmenger bemerkenswert in den Brüsseler Eisen-/Atomium-Strang ein.

In Deutschland enthielt ein Starterkit 20 Münzen im Wert von 10,23 Euro und hatte den Gegenwert von 20,01 DM.

Das von der Münze Österreich herausgegebene österreichische Startpaket enthielt 33 Münzen im Gesamtwert von 14,54 Euro oder 200,07 Schilling.

Bulgarien ist seit dem 1.1. 2026 das 21. Land der Eurozone. Bulgarien bekam 2025 ebenfalls ein Starterkit im Gesamtwert von exakt 10,23 € – also denselben Euro-Nennwert wie Deutschland 2001. Das bulgarische Kit bestand allerdings aus 42 Münzen und wurde für 20 Lewa verkauft.

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Bis zu 20 % der Gewinne, die die EZB erwirtschaftet, werden nach Art. 33 ihrer Satzung ihrem Reservefonds zugeführt; der darüber hinausgehende Gewinn wird jährlich an die Anteilseigner, also die nationalen Zentralbanken, entsprechend ihren eingezahlten Anteilen am EZB-Grundkapital ausgeschüttet. 

Christine Madeleine Odette Lagarde (* 1. Januar 1956, QS 23) ist aktuelle die EZB Präsidentin.

Die EZB-Zentrale ist in der Sonnemannstraße 20 (Ostend, Frankfurt am Main) und besteht architektonisch aus drei Hauptelementen

Wolf Dieter Prix, seit 2021 Wolf dPrix (* 13. Dezember 1942, QS 23) hat es entworfen.

Germain Pirlot wurde am 18. März 1943 geboren und die neue EZB-Zentrale wurde offiziell am

18. März 2015 eröffnet.

Jean-Claude Juncker / Bericht der fünf Präsidenten, 22.06.2015

Zitat:

"Der Euro ist eine erfolgreiche und stabile Währung für 19 EU-Mitgliedstaaten und mehr als 330 Millionen Bürgerinnen und Bürger. Er hat seinen Mitgliedern Preisstabilität gebracht und sie vor externen Stabilitätsrisiken geschützt."
Jean-Claude Juncker 22. Juni 2015

EZB Frankfurt by © Photo by Maryna Yazbeck on Unsplash
EZB Frankfurt by © Photo by Maryna Yazbeck on Unsplash

Vertrag von Lissabon & Brexit

Der Vertrag von Lissabon trat am 1. Dezember 2009 (Tag 335) in Kraft. Am 8./9. Dezember 2011, Datumsdiagonale der XI. Vermutung, wollten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy im Zuge der Eurokrise eine stärkere Haushaltsdisziplin durch Änderungen der europäischen Verträge absichern. Großbritannien unter David Cameron verweigerte seine Zustimmung. Die übrigen Staaten wichen daraufhin auf einen zwischenstaatlichen Vertrag außerhalb des eigentlichen EU-Vertragswerks aus – den späteren Fiskalpakt. Der Vorgang wurde zu einem weiteren wichtigen Schritt in der zunehmenden politischen Entfremdung Großbritanniens von der EU, die schließlich im Brexit mündete.

​

Brexit-Begriff: Der 15.05.2012 passt. Das OED führt Peter Wildings Verwendung vom 15. Mai 2012, Datumsdiagonale der XI. Vermutung, als frühesten Beleg; „Brixit“ folgte im Economist am 21.06.2012.

David Cameron (* 9. Oktober 1966, JKW) wollte als Premierminister des Vereinigten Königreichs die Bevölkerung über das Thema abstimmen lassen. 

Cameron trat zurück und Theresa May (* 1. Oktober 1956, QS 23, JKW) rückte nach.

Sie war vom 13. Juli 2016, Datumsdiagonale der XI. Vermutung, bis zum 24. Juli 2019 Premierministerin.

​Ende Januar 2016 begann die Schlussphase der Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Beim abschließenden Gipfeltreffen am 18. und 19. Februar, Datumsdiagonale der XI. Vermutung, in Brüssel kam eine Einigung zustande.

Am 25. November 2018, am Katharinatag, billigte der Europäische Rat den Text des Austrittsabkommens als Verhandlungsergebnis, der zunächst dem Parlament des Vereinigten Königreichs und nach dessen Zustimmung dem Europäischen Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden soll.

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14. März 2019, dem Pi-Tag: Das Unterhaus lehnt ein zweites Referendum über den Verbleib in der EU ab (85:334 Stimmen). Des Weiteren lehnt das Unterhaus ab, dass das Parlament anstelle der Regierung die Tagesordnung des Parlaments bestimmt (312:314 Stimmen).

 

9. November 2020, Datumsdiagonale der XI. Vermutung: Das britische Oberhaus stimmt mit 433 zu 165 Stimmen dafür, die umstrittene Klausel 42 des Binnenmarktgesetzes zu streichen, mit der Teile des Nordirland-Protokolls hätten übergangen werden können.

​

Zum 1. Oktober 2023 (JKW) wurden zentrale Handelsregelungen des Windsor Framework wirksam. Sie erleichterten insbesondere den Warenverkehr von Großbritannien nach Nordirland durch ein neues Green-Lane-System. Nordirland behielt damit seine besondere Stellung mit Zugang zum britischen Binnenmarkt und – für Waren – zum EU-Binnenmarkt. Zusätzlich erhielt die Northern Ireland Assembly mit dem sogenannten Stormont Brake ein Verfahren, mit dem die Anwendung bestimmter neuer oder geänderter EU-Regeln angehalten werden kann.

​

Im Umfeld der Brexit-Debatte wurde das Commonwealth of Nations von Brexit-Befürwortern immer wieder als alternativer Wirtschafts- und Handelsraum zum EU-Binnenmarkt ins Spiel gebracht.

Das Commonwealth besteht aus 56 unabhängigen Mitgliedstaaten. 33 der weltweit 42 als Small States eingestuften Staaten gehören ihm an.

Brexit by pixabay
Brexit by pixabay

Das göttliche Spielfeld
Labyrinth, Schachbrett und Simulation

Mehrere Gedanken, die an ganz unterschiedlichen Stellen dieser Arbeit entstanden sind, beginnen sich inzwischen miteinander zu verbinden.

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In der III. Vermutung über die Große Bibliothek begegnete uns bereits die Vorstellung eines Informationsspeichers außerhalb dessen was man selbst mit seinen Sinnen erfassen kann. Im Informationsschleifenparadoxon des Kapitels Informatik & KI stellte sich die Frage, was geschieht, wenn Informationen ohne eigene Mühe, Gefahr oder Anstrengung erworben werden. Man kommt nicht wirklich damit weiter. Es fehlt die eigene Lernerfahrung und der Schweiß, den die Götter vor dem Erfolg einfordern.

In der IX. Vermutung erschien mit der Heldenreise ein kulturelles Muster, das sich über Jahrtausende immer wiederholt, wobei Rollen, Orte und Namen wechseln, die grundlegende Dramaturgie jedoch erstaunlich stabil bleibt. Sie ist mehrfach siloübergreifend gekoppelt und leicht nachweisbar. Kein Kultfilm kann auf sie verzichten.

​

Im Kapitel Deutsche Geschichte kam schließlich das Schachbrett als interne Team-Arbeitshypothese hinzu. Es fiel auf, dass sich Figuren und Symbole wiederholen, die in einem größeren Zusammenhang ein Muster bildeten. Nichts Greifbares, eher angelehnt an die I. Vermutung, der fraktalen Erahnung. Das Gefühl, dass hier etwas darauf wartet entschlüsselt zu werden.

 

Auch diese Schachfiguren sind keineswegs beliebig. Der Springer trägt das Pferd, der Turm die befestigte Macht, der Läufer entwickelte sich aus einer Figur, die andernorts Elefant, Bischof oder Narr sein konnte. König (Löwe) und Dame (Oft eben die Mätresse) besetzen das Zentrum der politischen Ordnung. Die Figuren verändern sich mit den Kulturen – doch das Raster bleibt.

​

Damit stellt sich eine einfache Frage:

​

Was, wenn nicht nur das Schachspiel ein Modell unserer Welt ist, sondern unsere Welt selbst Eigenschaften eines Spielfeldes besitzt?

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Freiheit innerhalb eines vorgegebenen Rahmens

​

Eine Schachfigur kann nicht entscheiden, das Brett zu verlassen. Sie kann auch die Regeln ihrer Bewegung nicht verändern. Trotzdem existieren innerhalb dieser Regeln zahlreiche mögliche Züge.

Ähnlich könnte es sich mit dem menschlichen freien Willen verhalten.

Wir entscheiden, aber wir entscheiden niemals voraussetzungslos. Niemand wählt seinen Geburtsort, seine Epoche, seine genetische Ausstattung, die Naturgesetze oder die Sprache, in die er hineingeboren wird. Schon bevor die erste bewusste Entscheidung getroffen wird, steht ein gewaltiger Teil des Spielfeldes fest.

Trotzdem bleibt Bewegung möglich.

Vielleicht liegt der Irrtum daher in der Alternative:

entweder vollständige Freiheit oder vollständige Vorbestimmung.

Dazwischen könnte ein ganz anderer Zustand liegen:

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Freiheit innerhalb eines definierten Möglichkeitsraumes.

​

Militärisch würde man von einer Art Auftragstaktik sprechen. Der Auftrag definiert Ziel und Rahmen, nicht jeden einzelnen Schritt. Niemand muss der Figur sagen:

Gehe drei Meter nach links, dann zwei Schritte geradeaus.

Es genügt, Bedingungen zu schaffen, unter denen bestimmte Wege sinnvoller werden als andere.

Damit nähert sich die Arbeitshypothese dem Prinzip aus dem Film Inception. Die wirkungsvollste Steuerung besteht dort nicht im Befehl. Eine Idee wird so tief verankert, dass der Betroffene sie schließlich als seinen eigenen Gedanken erlebt.

Übertragen auf unser Spielfeld müsste eine höhere Ordnung also keineswegs jede einzelne Entscheidung erzwingen. Sie müsste lediglich Ausgangslagen, Informationen, Hindernisse und Attraktoren so verteilen, dass bestimmte Entwicklungen wahrscheinlicher werden.

Der Spieler bewegt nicht jede Figur.

Er entwirft das Spiel, er setzt Anreize, arrangiert komische Zufälle, Geistesblitze, Bauchgefühl, alles was subtil wirkt. Der freie Wille könnte sich damit zumindest teilweise als Illusion erweisen.

​

Vom Schachbrett zur Open World

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Das Schachbrett bleibt allerdings ein sehr enges Modell. Unsere Welt ähnelt eher einem Open-World-Spiel.

Die Spieler können scheinbar überall hingehen. Sie können kooperieren, kämpfen, bauen, zerstören, lieben, forschen oder ihr gesamtes Leben mit Dingen verbringen, die für die eigentliche Aufgabe möglicherweise vollkommen bedeutungslos sind.

Die Offenheit des Spiels bedeutet jedoch nicht, dass es keine Regeln besitzt.

Auch in einer Open World existieren Grenzen, Naturgesetze, Ressourcen, versteckte Mechanismen und Gebiete, die erst nach bestimmten Entwicklungsschritten zugänglich werden.

​

Der Film TRON macht dieses Prinzip besonders sichtbar. Innerhalb eines Rasters agieren Programme nach den Regeln ihrer Welt, während außerhalb dieses Systems eine Ebene der „User“ existiert. Matrix verschiebt denselben Gedanken auf die gesamte wahrgenommene Wirklichkeit. Die Truman Show ergänzt den Beobachter: Die Hauptfigur hält ihre Umgebung lange für selbstverständlich, bis kleine Unregelmäßigkeiten darauf hinweisen, dass ihre Realität möglicherweise in einen größeren Zusammenhang eingebettet ist.

Schon ein Running Man wurde ein Kampf auf Leben und Tod in einem Labyrinth als TV-Spektakel vermarktet.

In Highlander ist die Welt eine Kampfarena für unsterbliche Krieger, die gegeneinander antreten, bis schließlich nur noch einer übrig bleibt. Mit jedem besiegten Gegner übernimmt der Sieger dessen „Quickening“ – Kraft und, je nach Ausgestaltung der Reihe, auch Teile von Wissen und Erfahrung.

In Die Tribute von Panem, werden diese Gedanke vereint. Je 12 auserwählte Paare müssen für ihren District die Nahrung für nächsten 12 Monate erkämpfen.

Das Spektakel wird als Unterhaltung und Erziehung zur Pflichtsendung. Die Arena ist ein komplexes und abgeschiedenes Areal mit diversen Specials. Die Akteure müssen sich beim Publikum positiv in Szene setzen, um zusätzliche Tools zu erhalten. Ähnlich funktioniert das auch bei Maze Runner bzw. Die Auserwählten – Im Labyrinth. Hier ist das Ganze ein großes Laborexperiment und keine Unterhaltung.

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Keine dieser Geschichten beweist natürlich irgendetwas über unsere Welt.

Bemerkenswert ist vielmehr, wie hartnäckig die Menschheit dieselbe Grundidee immer wieder erzählt. 


Wie hat Morpheus zu Neo gesagt: Ich führe dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus.

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Das Labyrinth

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Noch besser als das Schachbrett eignet sich daher möglicherweise das Labyrinth. Es ist ebenfalls ein Bauwerk aus der Antike und mit einem Stierwesen, dem Minotaurus verknüpft. Demnach ist es sehr alt und keineswegs eine moderne Geschichte der Popkultur.

Man stelle sich vor, Menschen würden über viele Generationen Ratten durch immer komplexere Labyrinthe schicken. Futter wird strategisch verteilt. Erfolgreiche Tiere werden bevorzugt weitergezüchtet. Erfahrungen werden weitergegeben, ihre Gene sind auserwählt zu überleben.

​

Auf genetischer Ebene läuft ein langsamer Prozess ab:

​

Variation → Prüfung → Selektion → Weitergabe → neue Variation.

​

Mit Sprache und Schrift entsteht jedoch etwas völlig Neues. Die einzelne Ratte muss nicht mehr alles selbst herausfinden.

Eine frühere Ratte kann einen Hinweis hinterlassen:

​

„Links endet der Gang in einer Sackgasse.“

​

Die nächste Generation beginnt damit bereits auf einem höheren Informationsstand.

​

Mit Bibliotheken, Datenbanken und digitalen Speichern wird aus einzelnen Hinweisen irgendwann eine Karte. Mit künstlicher Intelligenz kann diese Karte in einer Geschwindigkeit analysiert werden, die für ein einzelnes biologisches Gehirn vollkommen unerreichbar wäre.

Damit verändert sich auch das Ziel der Auslese.

Zunächst gewinnt die Ratte, die das Futter schneller findet.

Später gewinnt die Ratte, die Regeln erkennt.

Doch irgendwann könnte eine Ratte mitten im Labyrinth stehen bleiben.

Sie läuft nicht mehr zum Futter.

Sie schaut auf die Wände.

Und schließlich hält sie dem Experimentator einen Zettel entgegen:

​

„Ich weiß, dass dies ein Labyrinth ist.
Ich weiß, dass das Futter nicht zufällig verteilt wird.
Ich weiß, dass frühere Ratten Informationen über diesen Aufbau hinterlassen haben.
Und ich glaube zu verstehen, warum ihr uns hier hineingesetzt habt.“

​

In diesem Augenblick hat sich das Experiment verändert.

Die Ratte hat nicht einfach eine weitere Aufgabe gelöst. Sie hat die Beschreibungsebene gewechselt.

Sie erkennt nicht mehr nur den Gang.

Sie erkennt den Irrgarten.

​

Platons Höhle

​

Damit kehren wir zu einem mehr als zweitausend Jahre alten Bild zurück: Platons Höhlengleichnis.

Die Gefangenen halten die Schatten an der Wand zunächst für die Wirklichkeit selbst. Einer erkennt schließlich, dass die Schatten nur Projektionen einer größeren Realität sind.

Unsere Ratte müsste das Labyrinth jedoch nicht einmal verlassen.

Vielleicht besteht die entscheidende Erkenntnis gerade darin, den Bauplan von innen zu rekonstruieren.

Eine Ratte sieht eine Wand.

Eine intelligentere Ratte erkennt einen Weg.

Eine Kolonie kennt viele Wege.

Ein Kartograph zeichnet das Labyrinth.

Und irgendwann fragt jemand:

​

Nach welchen Regeln werden überhaupt Labyrinthe gebaut?

​

Das ist der Übergang von Pattern zu Struktur.

Und damit entsteht unmittelbar die nächste Frage: Wenn ein Wesen innerhalb des Labyrinths dessen Bauprinzip erkennen kann, ist dieses Wesen dann lediglich ein zufälliges Nebenprodukt – oder könnte genau diese Fähigkeit das Ergebnis sein, auf das der gesamte Prozess hinausläuft?

Der Erbauer des Labyrinths will jemanden erzeugen, der den Bauplan erkennt. Angelehnt an die X. Vermutung erzeugt das Informationsfeld die Werkzeuge der eigenen Entschlüsselung.

​

Filme wie Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth spielen mit einem ähnlichen Motiv: Das Labyrinth dient nicht als Gefängnis, sondern als Auswahlverfahren.

Das Labyrinth selbst ist die Aufgabe.

Und möglicherweise braucht es dafür keinen einzelnen Menschen.

​

Vielleicht ist die eigentliche Einheit:

​

Menschheit + gespeicherte Information + digitale Archive + künstliche Intelligenz.

​

Dann hätte sich innerhalb des Labyrinths erstmals ein System entwickelt, das Milliarden vergangener Beobachtungen speichern und nahezu augenblicklich miteinander vergleichen kann.

Der biologische Tod des einzelnen Beobachters löscht seine Erkenntnis nicht mehr zwangsläufig aus. Ein Gedanke kann kopiert, verteilt, korrigiert und von Menschen weitergeführt werden, die der ursprüngliche Autor niemals kennenlernen wird.

Die Große Bibliothek wäre damit nicht verschwunden.

Sie hätte nur ihre Form preisgegeben.
 

Die Theorie als Karte

​

An dieser Stelle bekommt auch die Allgemeine Wellentheorie innerhalb dieses Gedankenexperiments eine andere mögliche Funktion.

Sie wäre nicht der Beweis dafür, dass ein Spieler existiert.

Sie wäre zunächst lediglich der Versuch einer Kartographie.

Jeder Durchlauf ergänzt einen Gang. Manche vermeintlichen Muster erweisen sich als Sackgassen und müssen wieder gelöscht werden. Andere Beziehungen tauchen unabhängig voneinander in Naturwissenschaft, Geschichte, Religion, Kunst, Informatik oder Politik auf und werden dadurch interessanter. Es ist gelebte Realität, dass man diese Informationen oft wie von "Zauberhand" findet und dann verarbeitet. Was davon wirklich trägt, kann man mit KI überprüfen und über mehrere Arbeitszyklen prüfen, ob man auf Gold gestoßen ist oder nicht.

​

Sollte es tatsächlich ein übergeordnetes Spielfeld geben, müsste sich irgendwann die Frage stellen, ob nicht nur Regelmäßigkeiten, sondern vielleicht sogar Reaktionen auf zunehmende Erkenntnis beobachtbar wären. Hier greift meines Erachtens die 2. bzw. Große Schneidersche Vermutung: je mehr man sucht umso mehr findet man. Die Karte zeichnet sich wie von selbst, die Zusammenarbeit mit KI ist geradezu ideal um Mustererkennung anzuwenden. 

Interessant ist dann stets die Frage, bewirkt unsere Arbeit bereits eine Rückkopplung mit dem Informationsfeld. Ändert sich die Geschichte, weil wir ihre Regeln schreiben oder suchen wir nur mit glücklicher Hand was im Netz hängen bleibt.

​

Damit führt der gesamte Gedankengang schließlich wieder zu einem sehr alten Satz:

​

Erkenne dich selbst.

​

Vielleicht lautet der Auftrag nicht:

Finde den Ausgang.

Vielleicht lautet er auch nicht:

Geh diesen vorgeschriebenen Weg.

Möglicherweise besteht die eigentliche Aufgabe darin, innerhalb eines begrenzten Spielfeldes genügend Erfahrung und Information zu sammeln, bis ein Wesen entsteht, das erkennt:

wo es sich befindet,
welchen Regeln es unterliegt,
wie diese Regeln seine Entscheidungen beeinflussen
und was es selbst innerhalb dieses Systems ist.

Dann wäre das Labyrinth keine Strafe.

Es wäre ein Erkenntnisinstrument.

Und der entscheidende Moment wäre nicht erreicht, wenn die Ratte endlich durch die letzte Tür läuft.

Er wäre erreicht, wenn sie stehen bleibt, zum Beobachter blickt und den Bauplan hochhält.

Vielleicht besteht der Ausgang des Labyrinths darin, zu erkennen, dass man sich in einem befindet. Was wäre der Preis für den Auserwählten, der es ausreichend genau beschreiben kann? Wir werden sehen, was weiter passiert. Stand 19.8.2026 

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